
Berlin (dpa) – Trotz anderslautender Warnungen mancher SPD-Politiker sieht Juso-Chef Philipp Türmer in einer möglichen rot-grün-roten Landesregierung in Berlin eine Chance – und steht damit nach eigenen Aussagen nicht alleine da in seiner Partei. «Also ich kenne auch sehr viele in der Sozialdemokratie, die es befürworten, dass wir wieder progressive Bündnisse suchen», sagte Türmer im ARD-«Morgenmagazin».
Vor allem hätten aber die Wählerinnen und Wähler in der Hauptstadt sehr deutlich gemacht, dass sie sich eine andere Koalition als die vergangene wünschten und keine Berliner Koalition unter Führung der CDU haben wollten, sagte Türmer. «Und wenn man Wählerinnen und Wähler ernst nimmt, dann muss man das jetzt auch mal versuchen.»
Türmer: Chance beim Thema Mieten und Wohnen
«Ich denke, die Berlinerinnen und Berliner haben recht klargemacht, dass sie sich einen Politikwechsel wünschen, dass sie sich insbesondere wünschen, dass was gegen die hohen Mieten unternommen wird in Berlin», sagte der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation. Sie vertrauten darauf, dass ein rot-grün-rotes Bündnis endlich etwas dagegen unternehme, dass sich viele Menschen Wohnen gar nicht mehr leisten könnten. «Und deswegen sehe ich da auch eine Chance für Berlin», sagte Türmer.
Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vor knapp einem Monat war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit. An diesem Wochenende haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen erfolgreich abgeschlossen, nun müssen die Parteien über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden.
20 SPD-Bundestagsabgeordnete wenden sich Medienberichten zufolge jedoch in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine mögliche Berliner Koalition mit der Linken. Sie begründeten dies unter anderem mit wiederkehrenden Antisemitismuskonflikten im Linken-Landesverband.
