Rund sechs Jahre nach einer mutmaßlichen Erpressung mit Millionenschaden stehen drei Brüder vor Gericht. (Symbolbild)
Rund sechs Jahre nach einer mutmaßlichen Erpressung mit Millionenschaden stehen drei Brüder vor Gericht. (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa

Berlin (dpa/bb) – Drei Brüder stehen in einem Prozess um die Erpressung eines 63 Jahre alten Geschäftsmannes vor dem Landgericht Berlin. Der damalige Inhaber mehrerer Gesellschaften soll laut Anklage massiv bedroht und genötigt worden sein, Geschäftsanteile zu einem Spottpreis zu veräußern. Der 63-Jährige habe schließlich mehrere Geschäftsanteile für 355.000 Euro an einen 38 Jahre alten Angeklagten verkauft – tatsächlich habe der Wert etwa zwei Millionen Euro über dem Kaufpreis gelegen.

Dem 38 Jahre alten Immobilienentwickler wird unter anderem räuberische Erpressung, versuchte Nötigung und Bedrohung zur Last gelegt. Seinem Zwillingsbruder wird Mittäterschaft bei einer der Taten vorgeworfen. Im Fall des dritten Bruders im Alter von 32 Jahren lautet die Anklage auf Beihilfe zu einer Tat. Für den Hauptangeklagten sagte ein Verteidiger, sein Mandant weise die Vorwürfe «mit Nachdruck» zurück. Auch sein Zwillingsbruder bestritt pauschal über seinen Anwalt, der 32-Jährige schwieg.


Pistole an den Kopf gehalten?

Zu den Taten soll es in den Jahren 2000 und 2021 gekommen sein. Den Entschluss dazu habe der Immobilienentwickler gefasst. Er, sein Zwillingsbruder und weitere Mittäter hätten laut Anklage eine «Drohkulisse» aufbauen wollen, um den Inhaber verschiedener Gesellschaften zur Veräußerung seiner Anteile zu bewegen. So sei dem Mann mit dem Tode, mit Entführung seiner Kinder und Tötung seines Bruders bedroht worden.

Der 63-Jährige sagte als Zeuge vor Gericht, ihm sei auch eine Pistole an den Kopf gehalten worden, um ihn unter Druck zu setzen. Der angeklagte Immobilienentwickler sei zunächst ein Geschäftspartner gewesen und habe Darlehen in Höhe von rund 400.000 Euro gewährt. «Fünf Jahre lief es gut, dann warf er mir Betrug vor», so der Zeuge. Aus Angst sei er den Forderungen nachgekommen.

Kurz nach der Vertragsunterzeichnung soll der Hauptangeklagte festgestellt haben, dass wegen der Übertragung rund 500.000 Euro Grunderwerbsteuer zu zahlen wären. In der Folge sei der 63-Jährige abermals erpresst worden, um eine Rückabwicklung der Verträge und anschließend einen erneuten Verkauf der Geschäftsanteile zu einem noch günstigeren Kaufpreis zu erreichen. Der 32 Jahre alte Angeklagte sei als Käufer für einen Teil der Anteile aufgetreten, so die Anklage. Der Prozess wird am 7. Oktober fortgesetzt.