Das Drogenlabor in Nauen war voller Müll. (Archivbild)
Das Drogenlabor in Nauen war voller Müll. (Archivbild) Foto: -/Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg/dpa

Potsdam/Nauen (dpa/bb) – Nach dem Fund eines riesigen Drogenlagers im vergangenen Jahr im brandenburgischen Nauen startet am Montag der Prozess gegen zwei Tatverdächtige vor dem Landgericht in Potsdam. «Den beiden Angeklagten im Alter von 54 und 42 Jahren wird vorgeworfen, als Mitglied einer Bande mit weiteren Personen in einer Lagerhalle synthetische Betäubungsmittel hergestellt und mit diesen unerlaubt Handel getrieben zu haben», heißt es in der Ankündigung des Gerichts.

Drogenherstellung in großem Stil

Hinter der nüchtern formulierten Beschreibung steckt ein in Brandenburg bislang beispielloser Fall. Die Ermittler stießen auf rund 100 Kilogramm fertig hergestellter Drogen und tonnenweise andere Chemikalien. Sie stellten in den Wohnräumen der beiden Verdächtigen mehr als 200.000 Euro in bar sicher. 


Einsatzleiter Henner Grote sagte nach dem Einsatz: «Das Besondere ist die Größe: Ich mache die Arbeit seit über 30 Jahren. Ich habe so ein Labor noch nie gehabt.» Tagelang waren die Ermittler damit beschäftigt, die Halle zu beräumen. «Das ist schon ein sehr großes Ding», sagte der Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg, Christian Lanninger. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Substanzen für den Berliner Markt bestimmt waren.

Mutmaßliche Partydrogen hergestellt

Angesichts der Dimension des Fundes begann ein aufwendiger Großeinsatz. Ohne die Unterstützung des Technischen Hilfswerks, des Katastrophenschutzes und der Feuerwehr wäre die Räumung der Hallen nicht zu schaffen, sagte Lanninger nach dem Fund.

Vor dem Zugriff im Oktober 2025 hatten die Beamten nach einem Hinweis im Mai das Gelände zuvor monatelang observiert. Nach dem Zugriff folgte eine lange Untersuchung der Chemikalien. Die Ergebnisse werden auch Gegenstand der Hauptverhandlung am Landgericht in Potsdam sein. Nach ersten Ergebnissen der Zollfahndung wurden die Drogen 3-CMC und 4-CMC gefunden. Sie gehören zu den Amphetaminen und seien als Partydroge einzustufen, sagte ein Polizeisprecher. 

Neben den bereits fertigen Drogen sind große Mengen an chemischen Stoffen entdeckt worden, die für die Herstellung benötigt werden. Crystal Meth soll nach bisherigen Erkenntnissen nicht produziert worden sein.

Die Polizei sah zuletzt synthetische Drogen stark auf dem Vormarsch. Berlin mit seiner Partyszene sei der Hotspot für aufputschende Partydrogen, so ein Sprecher. Drogenhersteller würden deshalb öfter rund um Berlin ihre Labore aufbauen. Hier fühlten sie sich abgeschottet. Zudem seien angemietete Hallen in Brandenburg meist günstiger als in Berlin.