
Berlin (dpa/bb) – In Berlin und Brandenburg kosten die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr ab dem 1. Januar im Schnitt 3,72 Prozent mehr. Der Preis für ein Einzelticket im Bereich Berlin AB wird dabei nicht verändert und bleibt bei 4,00 Euro, wie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mitteilte. Das Vier-Fahrten-Ticket für Berlin AB kostet künftig 13,20 statt derzeit 12,40 Euro.
In Potsdam kostet ein Einzelfahrschein für den Bereich AB ab dem Jahreswechsel 3,10 Euro statt derzeit 3 Euro. In Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus werden die AB-Einzeltickets nicht teurer und kosten weiterhin 2,70 Euro. Der Preis für die VBB-Umweltkarte für den Bereich Berlin AB (derzeit im monatlichen Abonnement 81,30 Euro) steigt auf 84,30 Euro. Die neuen Preise wurden vom VBB-Aufsichtsrat beschlossen.
VBB: Preiserhöhungen nötig, um Angebot zu sichern
Die neuen Tarife gelten für alle Fahrten mit Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalzügen innerhalb des Verkehrsverbunds, der sich über Berlin und das gesamte Land Brandenburg erstreckt.
Der VBB begründet die Preiserhöhungen mit weiterhin hohen Kosten. «Insbesondere die Entwicklung der Inflationsrate sowie die notwendigen Investitionen in Fahrzeuge, Infrastruktur und einen modernen und leistungsfähigen ÖPNV stellen die Verkehrsunternehmen vor große finanzielle
Herausforderungen», hieß es. Die Preisanpassung sei nötig, um das bestehende Verkehrsangebot sichern zu können.
Berlin AB kostet 2016 noch 2,70 Euro
Mit der neuen Preisrunde setzt sich damit ein Trend fort: In den vergangenen Jahren wurden die VBB-Tarife immer wieder angehoben. Gleichzeitig sind einzelne Angebote weggefallen, wenn sie nur noch von wenigen Fahrgästen genutzt wurden oder gegenüber dem bundesweit gültigen Deutschlandticket keine Vorteile mehr boten. 2016 kostete das Ticket Berlin AB noch 2,70 Euro.
Die Tariferhöhung trifft auf eine Debatte über die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs. Fahrgastverbände kritisieren regelmäßig, dass höhere Preise schwer vermittelbar seien, wenn Züge und Busse verspätet oder überfüllt sind und Verbindungen ausfallen. Zugleich weisen Verkehrsunternehmen und Verbünde darauf hin, dass ein verlässlicher Nahverkehr nur mit ausreichender Finanzierung möglich ist. Gerade in Brandenburg stehen die Anbieter zudem vor der Herausforderung, auch dünn besiedelte Regionen mit Bussen zu erreichen. Die Gründe für Verspätungen und Ausfälle im Regionalverkehr sehen die Verkehrsverbünde vor allem in der maroden Infrastruktur, für die die Deutsche Bahn zuständig ist.
Vier Millionen Fahrgäste täglich im VBB
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach hatte sich am Mittwoch für eine grundlegende Änderung der Tarifstruktur im VBB ausgesprochen und eine Umstellung auf Zeitkarten vorgeschlagen. «Wir sollten überlegen, ob Zonen sinnvoller sind oder Flatrates. Ich würde Zeitkarten bevorzugen – ob für eine Stunde, 90 Minuten oder einen Tag», sagte Crumbach der Deutschen Presse-Agentur.
«Für Gelegenheitsfahrer gäbe es Zeitkarten, für Pendler das Deutschlandticket», sagte Crumbach. Eine Fahrkarte, die im gesamten VBB-Bereich gilt, wäre dann nach Zeitdauer preislich gestaffelt. Sein Ziel: «Es soll ein Anreiz geschaffen werden, ein Deutschlandticket zu kaufen.» Das AB-Ticket in Berlin bewertete er als «im Moment möglicherweise zu günstig».
Der VBB hat nach eigenen Angaben rund vier Millionen Fahrgäste täglich. Das Tarifsystem ist in Zonen eingeteilt, der Bereich Berlin AB umfasst zum Beispiel das Berliner Stadtgebiet, ein Gürtel um Berlin inklusive Potsdam, Königs Wusterhausen und Oranienburg die Zone C. Dazu kommen städtische und regionale Liniennetze. Ein Einzelfahrschein ist je nach Region bis zu zwei Stunden gültig.
Viele nutzen Deutschlandticket statt VBB-Angeboten
Für den öffentlichen Nahverkehr sind die Fahrgeldeinnahmen nur eine von mehreren Finanzierungsquellen. Ein erheblicher Teil der Kosten wird durch Zuschüsse der Länder und durch sogenannte Regionalisierungsmittel des Bundes gedeckt. Mit diesen Mitteln bestellen die Länder den Nahverkehr bei Verkehrsunternehmen. Steigen die Ausgaben schneller als die Zuschüsse und Einnahmen, entsteht zusätzlicher Finanzierungsdruck.
Eine Alternative zu den VBB-Tickets ist für viele Menschen das Deutschlandticket. Es gilt im Nah- und Regionalverkehr bundesweit, nicht aber in Fernzügen wie ICE oder Intercity. Aktuell kostet das Ticket 63 Euro im Monat und damit deutlich weniger als etwa die Umweltkarte für den Bereich Berlin AB. Da diese nicht personengebunden ist und zu bestimmten Zeiten auch die Mitnahme weiterer Fahrgäste ermöglicht, wird sie aber weiterhin angeboten und genutzt.