
Berlin (dpa/bb) – Lars Düsterhöft ist der einzige SPD-Abgeordnete, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommen hat. In Treptow-Köpenick holte der 44-Jährige bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 26 Prozent und zog damit zum vierten Mal direkt ins Landesparlament ein. Sein Gewicht in der SPD-Fraktion nimmt damit noch zu. Was ist sein Erfolgsrezept? «Eine gewisse Haltung zur Arbeit im Wahlkreis», sagte er. «Ich höre den Leuten zu. Ich beantworte jede E-Mail.» Und er reagiere auf jedes Bürgeranliegen.
Sich vor Ort um die Themen zu kümmern, mache einen Unterschied, sagte Düsterhöft, der in Berlin geboren wurde und in Potsdam Politikwissenschaft studiert hat. Die deutlich verkleinerte SPD-Fraktion steht nach seiner Einschätzung vor schwierigen Entscheidungen – etwa mit Blick auf mögliche Koalitionspartner. Auch in die Opposition zu gehen und eine Minderheitenregierung zu tolerieren, müsse diskutiert werden.
Nach dem Auftrag der Wähler müsse die Linke nun versuchen, für eine parlamentarische Mehrheit zu sorgen – aber intern noch einige Fragen klären, etwa zu ihrem Umgang mit Antisemitismus oder mit Clanstrukturen in Berlin, sagte Düsterhöft.
Deutliche Kritik an der Linken
«Ich kenne Ferhat Koçak aus seiner Zeit im Abgeordnetenhaus. Der wusste ganz genau, mit wem er schreibt und wen er um Unterstützung bittet», so der SPD-Abgeordnete. «Das ist kein Versehen, das ist ganz bewusst so. Und das geht nicht.»
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Koçak steht unter anderem in der Kritik, weil er in Chatkontakt mit einem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie stand. Koçak bezeichnete das als Fehler und zieht sich vorerst aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss des Bundestags zurück, wie die Linke-Bundestagsfraktion mitteilte.
Der Linken-Abgeordnete aus Neukölln war außerdem wegen eines Fotos kritisiert worden, auf dem er bei einer Linken-Wahlparty am vergangenen Sonntag neben einem propalästinensischen Aktivisten zu sehen ist, der für seine israelfeindlichen Positionen bekannt ist.
Düsterhöft sieht den Umgang der Linken damit kritisch: «Wenn die Parteiführung meint, das ist mit einer Distanzierung und mit einer Entschuldigung getan, dann frage ich mich, warum das immer wieder passiert», sagte er. «Es ist ja nicht das erste Mal, dass Leute auf Veranstaltungen der Partei sind, die einem radikalen Spektrum zugeordnet werden können.»
