Der Geschäftsführer der Energiequelle GmbH, Michael Raschemann (l.), befürchtet Schäden für den Ausbau der erneuerbaren Energien. (Archivbild)
Der Geschäftsführer der Energiequelle GmbH, Michael Raschemann (l.), befürchtet Schäden für den Ausbau der erneuerbaren Energien. (Archivbild) Foto: Annette Riedl/dpa

Zossen/Mühlenfließ (dpa/bb) – Die Branche der erneuerbaren Energien in Brandenburg befürchtet im Zuge von Plänen des Bundes das Aus für Arbeitsplätze in der Wind- und Solarenergie. Michael Raschemann ist Gründer der Energiequelle GmbH aus Zossen-Kallinchen, die Wind- und Solarenergieanlagen errichtet. Die schwarz-rote Bundesregierung stellt aus seiner Sicht mit zwei zentralen Reformen jedoch die falschen Weichen.

«Wir sind heute in Deutschland 40 Prozent weniger Belegschaft, 180 Mitarbeitende sind nicht mehr bei uns», sagte Raschemann vor Journalisten. Die Situation beschrieb er als brenzlig. Das Ende der Ampel-Regierung sei eine Zäsur für die Förderung der erneuerbaren Energien gewesen. Er zeigte sich enttäuscht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die auch aus dem Landkreis Teltow-Fläming stammt. «Heute schäme ich mich, dass ich sie kenne, weil es einfach alles nicht aufgegangen ist.»


Keine dauerhafte Förderung von Solaranlagen auf dem Dach

Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sieht zum Beispiel vor, dass es für neue, kleine Solaranlagen auf dem Hausdach von 2027 an keine dauerhafte Förderung mehr geben soll. Mit einem Netzpaket soll der Ausbau der erneuerbaren Energien besser auf den Ausbau der Stromnetze abgestimmt werden. Reiche hatte beim Kabinettsbeschluss im Juli davon gesprochen, dass eine Überförderung abgebaut werde.

Die Gemeinde Mühlenfließ profitiert nach Zahlen von 2024 in Brandenburg am meisten vom sogenannten Wind-Euro, den Betreiber der Windanlagen an betroffene Kommunen zahlen müssen. Die Gemeinde mit 950 Einwohnern bekommt laut Bürgermeister Jens Hinze 412.000 Euro im Jahr Einnahmen aus Öko-Energien, bis 2031 soll der Betrag auf 1,1 Millionen Euro steigen. Hinze sagte, die Gemeinde sei dringend auf das Geld angewiesen. «Es geht um die Frage, ob wir unsere Haushalte stabilisieren können. Es geht darum, ob Investitionen nicht stattfinden», sagte der parteilose Politiker.

Branche bewertet Lage schlechter

Rund drei von vier Unternehmen erwarten einen Schaden durch die EEG-Novelle und das Netzpaket, wie eine Umfrage des Landesverbands Erneuerbare Energien Berlin Brandenburg unter 30 Unternehmen ergab. Davon bewerteten 63 Prozent die Geschäftslage schlechter als vor einem Jahr – als Grund nannten sie auch aktuelle politische Rahmenbedingungen. «Wir wollen unsere Unternehmen beliefern, wir wollen Gemeinden, Kommunen beliefern, wir wollen Gewerbegebiete grün machen», sagte der Vorsitzende Jan Hinrich Glahr.

Der Verband appellierte an die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, die Solaranlagen auf dem Hausdach wieder zu fördern und eine direkte Belieferung der Industrie mit Energie und damit eine regionale Stromnutzung zu ermöglichen – für letzteres setzt sich auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ein.