
Potsdam (dpa/bb) – Die schlechten Ergebnisse Deutschlands im Schulleistungsvergleich Pisa sind nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein alarmierendes Warnsignal. Man sei im internationalen Vergleich «dramatisch abgestürzt», sagte GEW-Landeschef Günther Fuchs. Das Bildungssystem müsse in Gänze zur Disposition gestellt werden, um Basiskompetenzen zu verbessern. «Es kann nicht sein, dass Schüler diese basalen Kompetenzen nicht lernen.»
GEW: Mehr Lehrerstellen, mehr Fortbildung
«Die Situation wird nicht besser», betonte Fuchs. «Wir müssen über ein Gesamtkunstwerk nachdenken, aber man muss langsam mal loslaufen.» Als kurzfristige Maßnahmen müsse man «korrigierend in den Haushalt eingreifen», die Zahl der Stellen sei dort zu niedrig. Es brauche zudem Regelungen, um in den ländlichen Regionen Lehrer zu gewinnen. Angesichts der Vielzahl an Seiteneinsteigern brauche es mehr Qualifizierungsmaßnahmen. Fuchs pochte außerdem auf den flächendeckenden Einsatz von Schulassistenzen für verwaltungstechnische und pädagogische Aufgaben.
Tiefpunkt bei Pisa-Studie
Im neuen Pisa-Vergleich schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Für die einzelnen Bundesländer gibt es aber keine detaillierten Ergebnisse. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den getesteten 15-Jährigen in Deutschland «die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt», wie es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie heißt.
Die Ergebnisse sind noch schlechter als bei der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000. Der sogenannte Pisa-Schock hatte damals eine intensive Debatte und Bildungsreformen ausgelöst.
Grundsätzlich müssten mögliche Reformen personell unterfüttert werden, sagte Fuchs. Bevor man einen genauen Blick auf die Inhalte der Rahmenlehrpläne und deren Anwendung werfe, brauche man mehr Lehrer. «Wenn man die Klassengröße so hochfährt (…), dann geht das gründlich schief.» Dann sollte man kritisch hinterfragen, was der Kern der schulischen Bildung sei. Diese Diskussion müsse «tabufrei» geführt werden.
Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) sagte mit Blick auf die Pisa-Studie, dass das Land mit verbindlichen Lese- und Rechenzeiten an den Grundschulen und einer gezielteren Sprachförderung dagegen steuere. «Gleichzeitig müssen wir genauer hinschauen, wo Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen und unsere Schulen gezielt dabei unterstützen, die Bildungsqualität zu verbessern», sagte Hoffmann laut einer Mitteilung.
