In einer Schule in Cottbus hat Minister Hoffmann seine Pläne fürs kommende Schuljahr vorgestellt.
In einer Schule in Cottbus hat Minister Hoffmann seine Pläne fürs kommende Schuljahr vorgestellt. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Cottbus (dpa/bb) – Schon vor dem Start ins neue Schuljahr hatte Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) vom «schwierigsten Schuljahr überhaupt in Brandenburg» gesprochen. Der Grund: zu wenige Lehrkräfte auf zu viele Schülerinnen und Schüler. Bei einer Pressekonferenz in einem Cottbuser Gymnasium bemühte er sich um klare Ansagen und um entwarnende Worte: «Wir können den Schülerinnen und Schülern den Weg zu ihren Schulabschlüssen gewährleisten.»

Wie groß ist der Lehrkräftemangel im Schuljahr 2026/27?

Zu Beginn des neuen Schuljahres sind 313 Vollzeitstellen im Land noch unbesetzt. Das seien weniger als befürchtet, aber mehr als im vergangenen Jahr mit 255 fehlenden Lehrkräften, so der Minister. Ein Unterschied zu den Stellenausschreibungen erkläre durch die laufenden Besetzungsverfahren. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler sei in diesem Schuljahr mit voraussichtlich rund 324.400 so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr.


Angesichts dessen könnten schon einzelne Ausfälle von Lehrkräften die Schulen vor ernsthafte Probleme stellen, sagte Hoffmann. Er will deshalb versuchen, Lehrkräfte aus der Teilzeit zu holen und sie mit der Bitte um mehr Unterrichtsstunden anschreiben: «Jede Stunde mehr Unterricht zählt.»

Der Schuldienst in Brandenburg startet den Angaben zufolge mit 22.311 Lehrkräften ins neue Schuljahr, rund 20 Prozent sind Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Mehr als 400 Lehrerinnen und Lehrer seien freiwillig an Schulen mit großem Personalbedarf gewechselt. Auch habe es Umsetzungen von Amts wegen gegeben – innerhalb des jeweiligen Schulamtsbereichs und «im niedrigen zweistelligen Bereich».

Wie sicher sind die Abschlüsse?

Dem Minister zufolge sind die Schulabschlüsse «gewährleistet». Auch wenn dafür «einige schmerzhafte Maßnahmen notwendig» seien. Dazu zählt, dass Schulen etwa vorübergehend Förderstunden reduzieren oder Arbeitsgemeinschaften aussetzen dürfen. Auch dürfen sie beim Ministerium eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um auch von der vorgegebenen Stundentafel abzuweichen und einzelne Stunden zu reduzieren.

Möglich sei das im Wahlpflichtbereich und nicht bei den Kernfächern wie etwa Deutsch und Mathematik. Außerdem nur in der Sekundarstufe 1, also den Klassenstufen 7 bis 10, so Hoffmann. «Das ist alles andere als schön, aber es gibt keine einfachen Lösungen.» Die Unterrichtsangebote, die für Abschlüsse entscheidend seien, sollen priorisiert werden. 

Innerhalb von 48 Stunden wolle das Ministerium einen solchen Antrag der Schulen prüfen. «Die Nachfrage lässt sich schlecht prognostizieren», meint Hoffmann. Mögliche Ausfälle unter den Lehrkräften kämen auch überraschend. Es sei entscheidend, dass Vorkehrungen getroffen sind: «Damit die Schulen nicht in eine akute Notlage kommen.»

Wie geht es an den Schulen jetzt weiter?

Eine zusätzliche Unterrichtsstunde mehr pro Woche soll ab dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 2026/27 für alle verbeamteten Lehrkräfte gelten. Bislang waren rund 40 Prozent der Lehrkräfte – jene an Schulen mit hohem Sozialindex, Förderschulen und beruflichen Schulen – von der Regelung ausgenommen. Sie alle müssen dann in Vollzeit auch 41 statt 40 Stunden arbeiten. Die Situation verbessere sich dadurch an diesen Schulen merklich, so Hoffmann. 

Trotz der Einsparungen im Ministerium sei der Schulbereich davon ausgeschlossen worden: Die versprochenen 250 neuen Lehrkräftestellen durch die Koalition aus SPD und CDU sollen kommen – ab dem Schuljahr 2027/28. Dabei soll es bleiben, so Hoffmann: «Da können Sie mich beim Wort nehmen.» Hoffmanns Hoffnung ist, dass so «im Schuljahr 2027/28 der Turnaround gelingen kann». Ein Jahr später soll in Brandenburg auch die Gesamtschülerzahl sinken.

Zuletzt war die Zahl der Lehrkräfte von der Vorgängerkoalition aus SPD und BSW im Haushalt 2025 um 345 Vollzeitstellen verringert worden, um Geld zu sparen.