Die Autorin Emilia Roig lebt ihn Berlin und spricht von einer Umdeutung der Realität, die ihr Sorgen macht. (Archivbild)
Die Autorin Emilia Roig lebt ihn Berlin und spricht von einer Umdeutung der Realität, die ihr Sorgen macht. (Archivbild) Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin (dpa) – Die inzwischen abgesagte Veranstaltung der schwarzen Community im Schwimmbad der Berliner Volksbühne ist nach Meinung einer Expertin bewusst umgedeutet und missverstanden worden. «So war das ein Segen für die Rechten», sagt Emilia Zenzile Roig. Sie ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. Was bei vielen Menschen ankam, sei gewesen: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad. «Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert.»

Der Verein «Each One Teach One» (Eoto) setzt sich für Rassismusprävention und für das Empowerment schwarzer Menschen ein und wollte ursprünglich ein Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche veranstalten. Auch an anderen Tagen ermöglicht die Volksbühne weiteren Vereinen die exklusive Nutzung des Bades für einige Stunden. Nach Drohungen und wegen damit verbundener Sicherheitsbedenken für die Besucherinnen und Besucher sagten das Theater und Eoto die geplante Veranstaltung am Freitag aber ab.


«Es ging um nur einen Nachmittag ohne Angst vor Demütigung»

Es gebe einen nachvollziehbaren Anlass für die Idee des Vereins, schwarze Kinder und Jugendliche unter sich baden zu lassen, meint Roig. «Rassismus ist für Schwarze allgegenwärtig, in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Justizsystem, auf der Straße, durch die Polizei.» Viele Räume seien unsicher. «Im Schwimmbad werden sie zum Beispiel beschimpft, sie würden das Wasser dreckig machen. Auch in Berlin.» 

Es gehe natürlich nicht um eine komplett abgeschottete Gesellschaft, betont die Politologin. «Es ging um nur einen Nachmittag ohne Angst vor Demütigung und rassistischer Gewalt. Vor allem für die Kinder wäre das gut gewesen.» 

Das Narrativ, dass weiße Menschen strukturell diskriminiert würden, sei nun in der Welt und lasse sich nicht so leicht rückgängig machen, ist Roig überzeugt. «Wir haben mit einer Umdeutung der Realität zu tun, die mir Sorgen macht.»