
Dresden (dpa) – Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar will die bisherige Sonderregelung für DDR-Mopeds wie Schwalbe und S51 auf weitere Fahrzeuge ausdehnen. «Wer ein Kleinkraftrad fährt, versteht nicht, warum die Drossel in dem einen Fahrzeug bei 45 km/h «zwitschert» und bei einem anderen, baugleichen, 60 km/h möglich sind», erklärte die CDU-Politikerin. Es brauche eine Regelung nach dem Motto: gleiche Technik, gleiches Tempo. Hierzu wolle sie über die Landesregierung eine Initiative im Bundesrat starten.
Dank einer Sonderregelung im Einigungsvertrag können in der DDR gebaute Mopeds mit Tempo 60 fahren. Das gilt allerdings nicht für Reimporte – also baugleiche Zweiräder, die dereinst in andere Länder verkauft wurden. Laut EU-Regeln gilt für sie eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde.
Bundesratsinitiative für Gleichbehandlung von Kleinkrafträdern
Laut Kraushaar muss dafür europäisches Recht angepasst werden. Nach ihrem Willen soll der Bundesrat die Bundesregierung auffordern, sich dafür auf EU-Ebene einzusetzen. Die Neuregelung solle aber nicht nur für Mopeds aus DDR-Zeiten gelten, sondern auch für neuere Fahrzeuge unabhängig vom Hersteller, hieß es.
Auch mehr als 35 Jahre nach dem Untergang der DDR sind Simson-Mopeds ein wichtiger Teil ostdeutschen Lebensgefühls und auch fest in der Jugendkultur verankert. Das ist nicht nur auf vielen Schulhöfen zwischen Ostsee und Erzgebirge zu besichtigen. Die Zweiräder aus Suhl bestechen einerseits durch ihr höheres Tempo. Andererseits sind sie wegen ihrer Konstruktion bei Schraubern beliebt und sehr langlebig.
Nicht nur in Sachsen haben die Mopeds die Aufmerksamkeit der Landespolitik. In Thüringen will die Landesregierung nach früheren Angaben einen Anlauf nehmen, damit die Sonderregelung aus dem Einigungsvertrag zumindest auch für Reimporte gilt. Thüringen werde das Thema bei einer Kabinettsitzung bei der EU in Brüssel Anfang September ansprechen, hatte Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Juli erklärt.