Berlin (dpa) – Die Topspieler weg, bislang nur ein Neuzugang und trotzdem eine neue Spielidee: Mit vielen Fragezeichen und offenen Kaderbaustellen startet Hertha BSC am Freitag (20.30 Uhr) beim VfL Bochum in die neue Zweitliga-Saison. Vom Aufstieg redet in diesem Sommer niemand. Die wichtigsten Fragen und Antworten vor Saisonstart.
Was hat sich auf dem Transfermarkt getan?
Viel, was nicht gerade Mut auf eine erfolgreiche Saison macht. Ex-Kapitän Fabian Reese trägt künftig das Trikot von Liga-Konkurrent VfL Wolfsburg. Juwel Kennet Eichhorn läuft für Leverkusen auf. Kreativspieler Michael Cuisance (SC Lens) und Stammkeeper Tjark Ernst (Feyenoord Rotterdam) sind ebenso weg wie Michael Karbownik (Istanbul Başakşehir FK) und Dawid Kownacki (Werder Bremen).
Bislang präsentierte die Alte Dame nur einen Neuzugang: Offensivspieler Oluwaseun Adewumi wurde vom englischen Zweitligisten FC Burnley ausgeliehen. Der Rechtsfuß Adewumi kann als Zehner oder auf dem Flügel eingesetzt werden. Als Co-Trainer ist Andreas Schumacher künftig Teil des Teams von Chefcoach Stefan Leitl.
Auf welchen Positionen sucht Hertha noch Spieler?
Die Mittelstürmerposition ist eine Baustelle. Bislang kämpfen Luca Schuler und Sebastian Grönning um einen Stammplatz. Talent Niklas Hildebrandt hofft ebenfalls auf Spielzeit. «Wir haben da ein kleines Vakuum. Diese Position ist schon etwas, wo wir noch etwas machen sollten», gab Leitl im Trainingslager zu.
Außerdem suchte Hertha zunächst einen Nachfolger für Ernst. Florian Kastenmeier von Fortuna Düsseldorf soll immer noch der Wunschkandidat sein. Zuletzt berichtete Sky, dass Nikolas Polster vom Wolfsberger AC als Alternativlösung gehandelt werde. Allerdings überzeugte Marius Gersbeck in den letzten Testspielen. Braucht Hertha überhaupt einen Ersatz?
Ein weiteres Problem: Einen etatmäßigen Linksverteidiger hat Hertha nicht im Kader. Deyovaisio Zeefuik kann dort spielen, steigt nach vielen Verletzungsproblemen aber zuletzt erst wieder richtig ein. Für ihn rückte Gustav Christensen auf die Position – und verletzte sich im Testspiel.
Wie lautet das Saisonziel?
Die Berliner haben ihre Ambitionen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgeschraubt. Nach dem enttäuschenden Scheitern im Aufstiegsrennen und dem Verlust mehrerer Leistungsträger verzichtet die Clubführung diesmal auf große Ansagen. Geschäftsführer Peter Görlich rief «einen einstelligen Tabellenplatz» als Ziel aus. Heißt: Platz neun. Offiziell mag das die neue Marschroute sein – ob die Fans tatsächlich mit einem Platz im Tabellenmittelfeld zufrieden wären, ist zu bezweifeln.
Wie steht es um die finanzielle Situation?
Besser. Kein Wunder, schließlich haben die Verkäufe der Leistungsträger eine zweistellige Millionensumme in die klammen Kassen gespült. Die in den Medien kursierende Summe von rund 25 Millionen Euro wollte Görlich aber nicht bestätigen: «Auch Fußballvereine haben Brutto-Netto-Rechnungen. Es mag sein, dass da irgendwelche Summen kursieren, aber am Ende des Tages müssen wir gucken, was ist davon übriggeblieben, was landet tatsächlich bei uns?», sagte er dem rbb.
Dennoch berichtete der Geschäftsführer, dass sich die ökonomische Situation «etwas entspannt» habe. «Wir haben finanziell sicherlich an der einen oder anderen Stelle über unsere Verhältnisse gelebt. Das mussten wir erst mal korrigieren», sagte Görlich weiter.
Inwiefern hat sich Herthas Spielidee verändert?
Mit höherem und aggressiverem Pressing will der Hauptstadt-Club deutlich offensiver auftreten und seine Torausbeute steigern. «Das Ziel ist, den Gegner mehr zu stressen und selbst einen kürzeren Weg zum Tor zu haben», sagte Paul Seguin dem «Kicker». Die Mannschaft agiere, statt zu reagieren. Ob das Team die nötige Fitness für die kräftezehrende Spielweise mitbringt, wird sich zeigen. «Hohes Pressing birgt immer Risiko. Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen. Aber der offensive Gedanke gefällt uns grundsätzlich gut. So machen wir weiter», sagte Leitl.
Welche Stammplatz-Duelle drohen?
In der Innenverteidigung konkurrieren Niklas Kolbe und Marton Dardai um einen Platz in der Startelf. Dardai verpasste zwar Teile der Vorbereitung, überzeugte aber im Trainingslager. Kolbe hingegen leistete sich in den Testspielen einige Patzer. Rechtsaußen dürfte zunächst Marten Winkler vor Neuzugang Oluwaseun Adewumi beginnen, der laut Leitl noch Trainingsrückstand hat. Im Sturm spricht nach dem letzten Testspiel gegen Köln einiges für Grönning. Der Däne traf, während Schuler angeschlagen wirkte.

