
Berlin (dpa/bb) – Hinter dem Ausstieg und dem Verschwinden zahlreicher vietnamesischer Auszubildender aus Berliner Berufsschulen stecken kein Menschenhandel oder sonstige kriminelle Aktivitäten. Gründe für die Probleme seien fragwürdige und irreführende Anwerbungen im Heimatland und fehlende Sprachkenntnisse der Auszubildenden in Deutschland, antwortete der Senat auf eine Linken-Anfrage.
Das Fernbleiben von den Berufsschulen sei auf individuelle Gründe zurückzuführen, besonders fehlende Visa, Eheschließungen, Umzüge und Wechsel des Ausbildungsplatzes. Hinweise auf Straftaten gebe es nicht, hieß es. Der «Tagesspiegel» hatte berichtet.
Im Oktober 2025 war bekanntgeworden, dass etwa aus der Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee mit mehreren Tausend Berufsschülern rund ein Drittel der etwa 700 Schüler aus Vietnam verschwunden sei. Obwohl die Jugendlichen in Vietnam ein Sprachzertifikat nachweisen müssen, würden viele kaum Deutsch sprechen, hieß es damals. Sie seien verunsichert, die Lehrer überfordert, der Schulbetrieb kaum aufrechtzuerhalten.
Ähnliche Entwicklungen soll es auch in Brandenburg und anderen Bundesländern geben. Laut der Bundesagentur für Arbeit absolvieren rund 16.000 Vietnamesen eine Ausbildung in Deutschland, die Zahl steigt.
Der Berliner Senat erklärte, in Vietnam werde eine zunehmende Verlagerung der Anwerbe-Strategien in die sozialen Medien festgestellt. «Auch der Einsatz von KI stellt ein weiteres Risiko in der Verbreitung irreführender Informationen dar.» Berlin können diese «ausschließlich privatwirtschaftlichen Werbepraktiken von Agenturen im Ausland» jedoch nicht kontrollieren.
In Berlin gebe es aber zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote. Zudem müssten Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Bereich der
Fachkräfteeinwanderung klarer geregelt werden.
In Vietnam läuft die Anwerbung von Auszubildenden für Deutschland über private Vermittlungsagenturen. Sie verlangten für Verträge, Sprachnachweise und Visa hohe Summen, beklagen Experten. Viele junge Vietnamesen würden sich verschulden und in extreme Abhängigkeiten geraten, sagt die Migrationsexpertin Mimi Vu. Laut der Gewerkschaft NGG agierten viele Vermittlungsagenturen wie Schlepperorganisationen.
