Das ehemalige Kongresszentrum ICC ist schon durch seine Größe ein Hingucker.
Das ehemalige Kongresszentrum ICC ist schon durch seine Größe ein Hingucker. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Berlin (dpa) – Das markante riesige Gebäude am Berliner Funkturm ist ein echter Hingucker und regt immer wieder die Fantasie an: Als «Panzerkreuzer Charlottenburg», wird das ehemalige Internationale Congress Centrum (ICC) bezeichnet, wahlweise auch als «Raumschiff in der City West» oder als «schlummerndes Meisterwerk der internationalen High-Tech-Architektur».

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey nannte es eine schlafende Schönheit. Das ICC am Messegelände im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gilt als der größte Lost Place der Hauptstadt. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie das leerstehende, einstmals größte Kongresszentrum Europas künftig genutzt werden könnte. Die Pläne dafür sollen am Mittwoch (24. Juni) vorgestellt werden. 


Bereits im November 2024 ist ein Konzeptverfahren dazu gestartet. Inzwischen ist es abgeschlossen. Giffey und Bausenator Christian Gaebler (beide SPD) wollen über das Ergebnis informieren. So viel steht fest: «Das ICC soll zu einem international einzigartigen Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft entwickelt werden», wie die Wirtschaftsverwaltung mitteilte.

Nutzungstechnisch befand sich ICC zuletzt in einem Koma-ähnlichen Zustand. Das Gebäude wurde 1979 eröffnet und prägte jahrzehntelang den Berliner Messe- und Kongressstandort. Etliche Male erhielt es die Auszeichnung World Travel Award als weltweit führendes Kongresszentrum. 

Der Stahlriese wurde 2014 stillgelegt

Doch 2014 wurde der 313 Meter lange, 89 Meter breite und fast 40 Meter hohe Stahlriese mit einer Bruttogeschossfläche von 213.021 Quadratmetern stillgelegt. In dem wuchtigen Bau waren Schadstoffe entdeckt worden.

In 35 Jahren zählte das ICC Millionen von Besuchern aus aller Welt. Das Spektrum der Veranstaltungen reichte vom Heino-Konzert bis zum Krebskongress. Die letzte öffentliche Veranstaltung vor der offiziellen Schließung war eine Daimler-Hauptversammlung. 

Die 80 Säle und Räume mit insgesamt 14.500 Sitzplätzen wurden danach kaum noch genutzt. Die Messe Berlin baute eine kompaktere Kongresshalle mit geringeren Betriebskosten. Danach herrschte lange Ratlosigkeit, was aus dem «Panzerkreuzer» werden soll. 

Ende 2018 kündigte der Berliner Senat an, das ICC solle zu neuem Leben erweckt werden. Als denkbar galt vieles. Die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft nannte folgende Einschränkungen: «Ausgeschlossen sind dabei Nutzungen wie ein Bordell, eine Spielbank oder vergleichbare Zwecke.»

Wird das ICC ein Centre Pompidou in Berlin?

Bei einem Interessenbekundungsverfahren sind im Jahr darauf gut ein Dutzend Vorschläge eingereicht worden – vom Kongresshotel bis zum Gewächshaus. Seit dem gleichen Jahr steht der Stahlriese unter Denkmalschutz.  

Vor allem Wirtschaftssenator Stephan Schwarz unternahm anschließend einige Anstrengungen, das Thema ICC wieder auf die politische Agenda zu setzen. «Ich habe keinen Zweifel, dass das ICC ein regelrechter Magnet werden kann, wie es das Centre Pompidou in Paris seit den 70er Jahren sehr erfolgreich vorlebt», sagte er im August 2022. 

Das 1977 eröffnete Kunst- und Kulturzentrum der französischen Hauptstadt beherbergt unter anderem ein Museum für Moderne Kunst und eine Bibliothek. Schwarz war durchaus bewusst, dass es ein langer Weg sein würde, aus dem ICC ein Centre Pompidou zu machen. 

Da ist zum Beispiel ein immenser Sanierungsbedarf. Der Senator wies auf eine Kostenschätzung aus dem Jahr 2012 hin: 330 Millionen Euro. «Das hat sich natürlich längst überlebt.» Er sah das sportlich: «Ich will alles dafür tun, damit wir vorankommen und dieses großartige Gebäude den Berlinern zurückgeben», betonte er. 

2021 und 2022 öffnete das Gebäude erstmals für Kulturveranstaltungen. Im Jahr darauf war das Gebäude 48 Stunden lang für eine breite Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich. Im September 2025 öffnete das stillgelegte Kongresszentrum für das Projekt «49 h ICC» noch eine Stunde länger. 

Wer betreibt künftig das ehemalige Kongresszentrum?

Neben Architekturführungen und Zeitzeugengesprächen gab es dabei auch Aktivitäten wie Yoga, Cycling und Running oder Lichtschwert-Workshops. Tausende von Besuchern nutzten die Gelegenheit, sich das Raumschiff von innen anzusehen. 

Im Spätherbst 2024 startete dann der internationale Wettbewerb zur künftigen Nutzung des riesigen Gebäudes. Das Land Berlin kündigte an, das ICC per Erbbaurecht für 99 Jahre an einen Betreiber abgeben zu wollen.

Im vergangenen Oktober gab die Wirtschaftsverwaltung bekannt, dass das Konzeptverfahren nur noch mit einer Bieter-Gruppe aus mehreren Unternehmen fortgeführt werde. Andere Bewerber hätten die Anforderungen im Teilnahmewettbewerb nicht in ausreichendem Maß erfüllt und seien daher nicht zur nächsten Runde zugelassen worden, argumentierte die Wirtschaftsverwaltung. 

Nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» sollen die Betreiber des Leipziger Kunst- und Kreativkomplexes Spinnerei das ICC künftig betreiben. Die koordinierende Rolle übernehme die MIB AG mit Sitz in Berlin und Leipzig. Die Wirtschaftsverwaltung teilte dazu auf dpa-Anfrage mit, der Senat werde sich am Dienstag mit der Vorlage zu dem Thema befassen. «Wir stellen die offizielle Vergabeempfehlung des Steuerungsausschusses am Mittwoch wie geplant vor.»