
Kapstadt (dpa) – Im Prozess um den in Kapstadt vermissten deutschen Urlauber Nick Frischke wird zum zweiten Mal ein mögliches Fehlverhalten der Polizei untersucht. Das Gericht stimmte einem von der Verteidigung geforderten Zwischenverfahren zu. Dabei soll geprüft werden, ob die Polizei die vier Tatverdächtigen nach gesetzlichen Vorschriften verhört hat. Zuvor hatte die Anklage im Amtsgericht Wynberg Videos von Verhören als Beweismittel vorgespielt.
Der aus Döbern in der Nähe von Cottbus stammende Mann gilt seit dem 15. Februar 2023 als vermisst. Vier Tatverdächtige sind angeklagt, den damals 22-Jährigen gewaltsam ausgeraubt zu haben. In ihrem Besitz sind nach Aussagen der Polizei Frischkes Rucksack, Handy und Kreditkarte gefunden worden.
Erst Mitte März hatte das Gericht nach einer mehrwöchigen Untersuchung ein Fehlverhalten der Polizei bei Ermittlungen ausgeschlossen. Damals hatte die Verteidigung der Polizei vorgeworfen, unrechtmäßig in das Haus eines der vier Tatverdächtigen eingedrungen zu sein, um Beweismaterial zu sichern.
Das Zwischenverfahren soll am 8. Juli fortgesetzt werden.
Nicht genug Beweise für Mordanklage
Die vier Südafrikaner haben auf «nicht schuldig» plädiert und befinden sich seit ihrer Festnahme vor etwa drei Jahren in Untersuchungshaft. Die Anklage gegen einen fünften Verdächtigen wurde aufgrund mangelnder Beweislage fallen gelassen.
Bereits vor Monaten hatte der Chefermittler der Polizei, Dudley Truter, ausgesagt, einer der Tatverdächtigen habe einen der mutmaßlichen Mittäter in einer eidesstattlichen Erklärung beschuldigt, Frischke in den Rücken gestochen zu haben. Der Tourist habe aufgrund der Verletzung nicht mehr richtig laufen können, sagte Truter mit Verweis auf die Erklärung. Versuche der Nationalen Strafverfolgungsbehörde NPA, ausreichende Beweise für eine Mordanklage zu sammeln, blieben bislang erfolglos.
Frischkes letztes Lebenszeichen ist ein von einer Sicherheitskamera aufgenommenes Foto, das den Brandenburger in Sportkleidung auf dem Weg zu einem Wanderpfad am Fuße des Karbonkelbergs in Hout Bay zeigt.
Safariland mit Kriminalitätsgefahr
Das 63-Millionen-Einwohner Land am Südzipfel Afrikas ist weltweit für seine Safaris, atemberaubende Natur, weite Strände, kulturelle Vielfalt und Outdoor-Aktivitäten bekannt. Das Land gehört zu den beliebtesten Touristenzielen Afrikas, kämpft aber mit einer hohen Kriminalitätsrate. Allein in den drei Monaten von Januar bis März sind Regierungsangaben zufolge knapp 5.200 Menschen ermordet worden.