Berlins Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt, bittet den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) um Entlassung. (Symbolbild)
Berlins Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt, bittet den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) um Entlassung. (Symbolbild) Foto: Michael Brandt/dpa

Berlin (dpa/bb) – Berlins Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, Matthias Hundt, tritt nach nur gut zwei Monaten im Amt zurück. Er habe den Regierenden Bürgermeister heute darum gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte er am Dienstag mit. Eine Senatssprecherin sagte, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) werde der Bitte entsprechen. 

«Ich habe mein Amt angetreten, um in Berlin etwas zu verändern. Die aktuelle Medienkampagne lässt mir hierzu keine Chance», hieß es in der Erklärung Hundts, der Mitte März aus Dresden nach Berlin gewechselt war. Er sprach von einer unerträglichen Belastung für sich und seine Familie. «Ich bedaure sehr, dass es so gekommen ist, und wünsche meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben.»


Ermittlungen im Zusammenhang mit Firmeninsolvenz

Zuvor war durch Recherchen von MDR und RBB bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Dresden im Kontext der Insolvenz einer Firma Hundts ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft Dresden wurde am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen von Huths Beratungsunternehmen SDC Sachsen Digital Consulting GmbH eröffnet. 

Nach Angaben eines Sprechers leitete die Behörde in diesem Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Insolvenzstraftaten ein. «Weitere Auskünfte können derzeit im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht erteilt werden», erklärte er auf dpa-Anfrage. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Ein Anwalt Hundts erklärte zu dem Vorgang auf dpa-Anfrage: «Mein Mandant hat sich mit allen wesentlichen Beteiligten, die von der Insolvenz betroffen sind, geeinigt. Weshalb und gegen wen die Staatsanwaltschaft ermittelt, erfahren wir leider nicht. Mein Mandant hat sich jedenfalls nichts zuschulden kommen lassen.»

Erst Mitte März in Berlin gestartet

Der gebürtige Dresdner Hundt, Jahrgang 1969, war erst Mitte März zum Chief Digital Officer und Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in der Berliner Senatskanzlei ernannt worden. Er folgte auf Martina Klement, die als Wirtschaftsministerin in die Brandenburger Landesregierung wechselte.

«Matthias Hundt wird die Digitalisierung der Berliner Verwaltung voranbringen und dabei einen Fokus auf EGovernment, aber auch auf die IT-Sicherheit und Schutz der kritischen Infrastruktur legen», hatte Wegner anlässlich seiner Ernennung erklärt. Neben der im Wesentlichen abgeschlossenen Verwaltungsreform, die als großer Wurf Wegners wie auch Klements gilt, gehörten die Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen wie auch die E-Akte zu Hundts Aufgabengebiet. 

Personalie wirft kein gutes Licht auf Wegner 

Dass ein Staatssekretär nach nur gut zwei Monaten im Amt zurücktritt, kommt sehr selten vor. Die Personalie wirft kein gutes Licht auf die Personalpolitik Wegners, der Hundt ausgesucht und ernannt hatte. 

Wegner steht im Wahljahr ohnehin unter Druck. Sein Krisenmanagement nach dem großen Stromausfall infolge eines Brandanschlags im Januar sorgte für viel Kritik – nicht zuletzt, weil er ein Tennismatch am ersten Tag zunächst verschwieg. Details seiner Abläufe an jenem 3. Januar sind bis heute unklar. 

Kritik vom Koalitionspartner und von der Opposition

SPD-Landeschef Steffen Krach warf Wegner vor, er sei mit seinem Amt überfordert. «Die Auswahl und der Abgang von Herrn Hundt ist ein weiterer Tiefpunkt und er trifft ausgerechnet das einzige Vorhaben, das sich Kai Wegner selbst auf die Fahnen geschrieben hat», sagte der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September.

Die Grünen im Abgeordnetenhaus warnten, das Projekt der Verwaltungsmodernisierung drohe «endgültig gegen die Wand zu fahren». «Durch das Führungsversagen von Kai Wegner wird hier womöglich gerade eine große Chance für Berlin vertan», sagte Fraktionschefin Bettina Jarasch.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker sprach von einem «weiteren personellen Fehlschlag des Regierenden Bürgermeisters». «Hier steht, anders als bei Senatsposten, Kai Wegner ganz allein in der Verantwortung.» 

Im Zuge einer Affäre um die laut Rechnungshof rechtswidrige Vergabe von Fördergeld an Projekte gegen Antisemitismus war im April zudem Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) zurückgetreten. Sie hatte die umstrittenen Förderbescheide freigegeben. Inzwischen führt Finanzsenator Stefan Evers (CDU) parallel auch das Kulturressort.