
Berlin (dpa/bb) – Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) übernimmt nun auch das Kulturressort. Der Chef des Berliner Ensembles, Oliver Reese, hatte die Personalie am Mittwoch als «Donnerknall» bezeichnet und Parallelen zu Goethes berühmter Tragödie gezogen: «Faust und Mephisto in einer Person: Der oberste Verfechter einer strengen Haushaltsdisziplin muss nun im Kampf um den gefährdeten Kulturetat zugleich als Verteidiger von Kunst und Kultur auftreten. Das darf nicht schiefgehen!»
Nun kontert Evers und bemüht – literarisch bewandert – ebenfalls die Klassik. «Ich halte es doch eher mit Schiller: „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.“», postete er auf X. Das Zitat stammt aus dem Schiller-Drama «Wilhelm Tell».
Nach dem Rücktritt der bisherigen Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) wegen einer Fördermittelaffäre hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am Mittwoch mitgeteilt, dass Evers auch die Senatsverwaltung für Kultur leiten soll. Dass ausgerechnet der Finanzsenator, der berufsbedingt als Sparfuchs gilt, für Berlins Kulturlandschaft zuständig sein soll, sorgte nicht nur bei Theaterintendant Reese für Irritationen.