
Potsdam (dpa/bb) – Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) schlägt bei der Forderung nach einem Ausbau der Ostbahn Richtung Polen schärfere Töne gegenüber dem Bund an. «Dieser Ausbau der Ostbahn wird, ich sage es hier mal ganz offen, von der Bundesregierung weiter blockiert», sagte Woidke bei einem Besuch des neuen Marschalls der Partnerregion Woiwodschaft Lubuskie (Lebus) in Polen, Sebastian Ciemnoczołowski. «Weil wir mittlerweile ja nur noch darüber reden, dass ein zweites Gleis gebaut werden soll zwischen Berlin und Küstrin-Kietz.»
Die Strecke Berlin – Küstrin und weiter Richtung Polen ist nicht elektrifiziert und auf deutscher Seite zum Teil nur eingleisig. Vor rund zwei Jahren wurde eine Oderbrücke zwischen dem polnischen Kostrzyn und dem brandenburgischen Küstrin-Kietz eröffnet. Der Ausbau der Ostbahn von Berlin bis Küstrin-Kietz kostet laut einem früheren Gutachten für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bis zu 1,3 Milliarden Euro in zwei Stufen, bis 2036 und danach.
Woidke will Druck machen
Der Regierungschef fordert mehr Tempo vom Bund. «Hier sind wir so weit, dass die Brücke fertig ist und es nur noch darum geht, diese 70 Kilometer zweites Gleis auszubauen», sagte Woidke. «Wir werden weiter hier Druck machen auf die Bundesebene, weil es ganz klar eine unfaire Benachteiligung einer Region ist, die wir nicht länger akzeptieren werden.»
Der Marschall der Partnerregion dringt ebenfalls auf einen Ausbau auf deutscher Seite: «Diese Brücke wurde instand gesetzt 2024, aber die Bahnverbindung wurde nicht wieder eingeführt», sagte er. «Das ist aber natürlich für die Anwohner des nördlichen Teils der Woiwodschaft Lubuskie sehr wichtig, dass sie nämlich nach Berlin ungestört kommen können.»
Woidke nannte die Ostbahn eine der wichtigsten deutsch-polnischen Schienenverbindungen. Beim Spitzentreffen der sogenannten Oder-Partnerschaft – einem Netzwerk aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und westpolnischen Woiwodschaften – am 26. und 27. Mai in Posen will er eine gemeinsame Forderung einbringen.
Kooperation in der Gesundheitsversorgung
Brandenburg und die Partnerregion auf polnischer Seite wollen die Zusammenarbeit in der medizinischen Versorgung ausbauen. «Wir wollen die medizinische Versorgung in der Grenzregion weiter verbessern, Fachkräfte gewinnen und das Zusammenwirken unserer Einrichtungen weiter vertiefen», sagte Woidke. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem und die Universität Zielona Góra arbeiten bereits in der Medizinerausbildung und der Pflegeausbildung zusammen.