
Berlin (dpa/bb) – Das Sommersemester hat am 1. April begonnen, doch an Berlins staatlichen Hochschulen stehen Einschnitte an: Studiengänge sollen gestrichen, Plätze abgebaut und Stellen teils nicht neu besetzt werden. Hintergrund sind Sparmaßnahmen infolge der neu verhandelten Hochschulverträge.
Zu Erinnerung: Gemäß der neuen Verträge übernimmt das Land Berlin seit Jahresbeginn die Pensionslasten der verbeamteten Hochschulbeschäftigten, außerdem sind für 2027 und 2028 zusätzliche 62 Millionen Euro vereinbart. Weitere rund 156 Millionen Euro sind für ein Solidarmodell vorgesehen, das vor allem kleinere Hochschulen stärken soll. Knackpunkt bleiben aber die Grundzuschüsse, die geringer steigen als zunächst geplant. Wie sich das an den Hochschulen auswirkt.
Die Lage an der Humboldt-Universität (HU)
«Angesichts der massiven Kürzungen muss die Universität in allen Bereichen drastisch sparen, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben», erklärte eine HU-Sprecherin. Vergangenes Jahr standen der Uni rund 24,4 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Eine genaue Berechnung der Lücke für 2026 sei schwierig. Ab dem 1. April 2026 dürften frei werdende, aus dem Haushalt finanzierte Stellen zunächst sechs Monate lang nicht neu besetzt werden – diese Regelung gelte befristet bis zum 31. Dezember 2027.
An der HU werde ein Gesamtsparplan erarbeitet, betroffen seien alle Bereiche. Ziel sei, möglichst wenige Studienplätze abzubauen – und wenn, dann vor allem wenig nachgefragte. Ob ganze Studiengänge gestrichen werden, ist offen.
Die HU rechne damit, künftig weniger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen zu beschäftigen, wolle aber sicherstellen, dass aktuell befristet Beschäftigte ihre Qualifikationsphasen abschließen könnten. Laut Zahlen der Berliner Wissenschaftsverwaltung waren im Oktober vergangenen Jahres rund 35.000 Studierende an der HU eingeschrieben.
Die Lage an der Freie Universität (FU)
Der FU stehen dieses Jahr 42,41 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Alle Fachbereiche und Verwaltungsbereiche sind von Kürzungen im Personalbudget von rund 10 Prozent betroffen, wie eine FU-Sprecherin mitteilte. Im Wissenschaftsbereich treffe es den Angaben nach vor allem befristete Stellen und damit vor allem Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.
Zwangsläufig wirken sich die Einbußen beim Personal auch auf Studienplätze und Studienangebot aus. Wie konkret, werde derzeit noch diskutiert, sagte die FU-Sprecherin. Abschließende Entscheidungen gebe es noch nicht. Die Kürzungen würden vollumfänglich in den kommenden acht bis zehn Jahren umgesetzt. Die Uni setze aber alles darin, das Angebot und die Studienqualität bestmöglich aufrechterhalten. Im Wintersemester waren laut der Sprecherin 34.500 Studierende an der FU immatrikuliert.
Die Lage an der Technische Universität (TU)
«Die finanzielle Haushaltslage und die Budgetkürzungen sind große Herausforderungen, auch unsere Bausubstanz. Was das anbelangt, ist die Stimmung insgesamt bedrückend», sagte TU-Präsidentin Fatma Deniz kürzlich. Die TU Berlin muss eigenen Angaben zufolge bis Ende 2028 einen Betrag von 65 Millionen Euro dauerhaft kürzen (15 Prozent des Haushaltes). Gleichzeitig beläuft sich der Sanierungsstau für die Hochschule auf 2,4 Milliarden Euro. Zahlreiche Gebäude sind marode.
2025 erklärte die TU, 18 Strukturprofessuren sowie ein Vielfaches an Stellen für die Wissenschaftlichen Mitarbeitenden streichen zu müssen. Die Uni rechne mit mindestens 5.000 weniger Studienplätzen, hieß es damals.
Die TU hat die geänderten Hochschulverträge als einzige staatliche Hochschule noch nicht unterschrieben. Ex-TU-Präsidentin Geraldine Rauch war im Februar nicht zu dem Termin erschienen. Ob und wann die neue Präsidentin Deniz dies nachholt, ließ sie bei einem dpa-Interview im März offen. Im Oktober vergangenen Jahres zählte die TU rund 34.000 Studierende.
Die Lage an der Universität der Künste (UDK)
Die UDK erwartet bis 2028 ein Defizit von 7,5 Millionen Euro, wie eine UDK-Sprecherin mitteilte. Eine der Folgen: Der Master-Studiengang Lied / Oratorium / Konzert der Fakultät Darstellende Kunst wird eingestellt. In einzelne Fällen seien Kürzungen von Studienplätzen im zweistelligen Bereich angedacht. In den nächsten Monaten will die Hochschule prüfen, ob sich die Einsparungen zunächst über gestraffte Studienordnungen und ein kleineres Lehrangebot auffangen lassen. Reiche das nicht aus, müssten weitere Studienplätze wegfallen.
Und beim Personal? 17 Vollzeit-Professorenstellen, 18 Vollzeitstellen im Mittelbau aller vier Fakultäten und 27 Vollzeitstellen in der zentralen Verwaltung sollen wegfallen, wie die UDK-Sprecherin sagte. Sobald die Stellen frei würden, würden sie nicht mehr nachbesetzt. Unmittelbare Auswirkungen gibt es auf befristete Stellen, auf denen oft Nachwuchswissenschaftler sitzen. Die UDK spricht von der am weitreichendsten Umstrukturierung seit den letzten «drastischen Kürzungsvorgaben» 2003/2004. An der UDK studieren rund 4.500 Menschen.
Die Lage der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
Bis 2028 muss die HTW 41 Millionen Euro sparen. In der Folge könnten dadurch pro Jahr 430 Studienplätze weniger angeboten werden, davon 320 Bachelor- und 110 Master-Studienplätze, sagte eine HTW-Sprecherin. In den Blick genommen würden Studiengänge, die nicht ausgelastet seien. Die Maßnahmen greifen ihren Angaben zufolge frühstens ab kommenden Wintersemester.
Folgende Studiengänge könnten laut Plan gestrichen werden: der Fernstudiengang Maschinenbau, der Master Construction and Real Estate Management und der Fernstudiengang BWL. In anderen Bereichen könnten Fachbereiche zusammengeführt werden.
Die Personalstellen sollen um rund zehn Prozent reduziert werden. In den kommenden Jahren würden rund 80 Stellen abgebaut, sagte die HTW-Sprecherin. Auslaufende Stellen würde nur sehr beschränkt wiederbesetzt. Dieses Wintersemester zählte die HTW nach Angaben der Sprecherin rund 16.240 Studierende.
Die Lage an der Berliner Hochschule für Technik (BHT)
In den Bachelor-Studiengängen sollen etwa 320 Plätze gestrichen werden, wie BHT-Präsidentin Julia Neuhaus erklärte. Vor allem in Studiengängen, die nicht ausgelastet sind, soll demnach gekürzt werden. So will die Hochschule vermeiden, die Zahl der Studierenden insgesamt begrenzen zu müssen.
Komplett gestrichen werden die Studiengänge Elektromobilität und Computational Engineering and Design. Ziel sei es, die Inhalte über Wahlmodule in angrenzenden Studiengängen zu erhalten. «Geplant ist auch von den zwei Physik-Studiengängen nur einen weiterzuführen.» Außerdem würden Studienplätze in den Studiengängen Gebäude- und Energietechnik sowie Lebensmitteltechnologie, Mechatronik und Maschinenbau reduziert.
In Lehre und Forschung sollen 34 Strukturprofessuren wegfallen, auch einige offene Laborstellen würden nicht mehr besetzt. In der Verwaltung würden alle Stellen vor einer Ausschreibung kritisch auf eine Wiederbesetzung geprüft.
Die BHT musste allein vergangenes Jahr acht Millionen Euro sparen, wie Neuhaus sagte. Bis 2028 müssten 15 Millionen Euro aus Rücklagen verwendet werden, um das Finanzloch auszugleichen. An der BHT waren diesen Winter knapp 12.000 Studierende immatrikuliert (Stand Dezember 2025).