Noch ist unklar, wie es mit dem Jüdischen Krankenhaus in Berlin weitergeht. (Archivbild)
Noch ist unklar, wie es mit dem Jüdischen Krankenhaus in Berlin weitergeht. (Archivbild) Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Berlin (dpa/bb) – Die Zukunft des Jüdischen Krankenhauses ist weiter unsicher – der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, plädiert für eine vom Senat eingesetzte Kommission für weitere Beratungen. «Wir wünschen uns, dass das Jüdische Krankenhaus als eigenständige Klinik erhalten bleibt», sagte er dem «Tagesspiegel». «Uns ist dabei klar, dass das JKB in seiner aktuellen Form kaum überleben wird.»

Die Diskussion über das Thema muss nach Joffes Überzeugung weitergehen. «Der Berliner Senat sollte eine Kommission einberufen, in der alle wesentlichen Akteure vertreten sind – das Krankenhaus, das Land, die Jüdische Gemeinde und die Banken», sagte er.


Ist Spezialisierung die Lösung?

Er habe mit Fachleuten inner- und außerhalb der Gemeinde gesprochen und plädiere wie sie für eine konsequente Spezialisierung. «Dann passt die Klinik langfristig in die Krankenhauslandschaft der Hauptstadt und kann ihre Kooperationen mit anderen Kliniken intensivieren.»

Das Jüdische Krankenhaus in Gesundbrunnen im Bezirk Mitte könnte sich als Schwerpunktklinik für Neuro-Reha, Geriatrie und Psychiatrie etablieren, sagte Joffe. «Der Bedarf an Kapazitäten in diesen Disziplinen wächst schon wegen der alternden Gesellschaft.» 

Kein Kommentar der Finanzverwaltung 

Die Senatsverwaltung für Finanzen äußerte sich zurückhaltend zu Joffes Einschätzungen: «Wir stehen in einem engen Austausch mit allen Verfahrensbeteiligten», teilte ein Sprecher auf dpa-Anfrage mit. «Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche nicht zum aktuellen Stand oder zu einzelnen Vorschlägen – einschließlich der Einsetzung einer Kommission – äußern können.»

 Das Jüdische Krankenhaus Berlin hatte Ende vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Als Grund für den Schritt nannte die Klinik die angespannte Finanzlage, «ausgelöst durch den Veränderungsdruck der Krankenhausreform, aktuelle Sparbeschlüsse der Bundespolitik und allgemeine Kostensteigerungen bei nicht ausreichend refinanzierten Versorgungsleistungen». Hinzu kommen unter anderem ausstehende Investitionen für Gebäude und IT-Systeme.

Das Jüdische Krankenhaus in Berlin hat eine rund 270-jährige Geschichte. Seit 1963 wird es von einer Stiftung des bürgerlichen Rechts getragen. Zuletzt wurde unter anderem die Möglichkeit diskutiert, die Klinik in eine der landeseigenen Krankenhausunternehmen Charité oder Vivantes einzugliedern.