Am BER wurden am Freitagmorgen erneut zahlreiche Starts und Landungen abgesagt.
Am BER wurden am Freitagmorgen erneut zahlreiche Starts und Landungen abgesagt. Foto: Carsten Koall/dpa

Berlin (dpa) – Ausnahmezustand am Hauptstadtflughafen BER mitten in den Winterferien: Aufgrund von Blitzeis war der Flugbetrieb in Schönefeld von Donnerstagabend an eingestellt. Erst am Nachmittag des Folgetages sollten die ersten Flieger wieder abheben. 

Doch in der Zwischenzeit sind Hunderte Passagiere gestrandet. Manche von ihnen mussten die Nacht im Terminal verbringen. An den Check-in-Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Nach wie vor wissen viele nicht, wie es für sie weitergeht. 


«Der BER nimmt den Flugbetrieb wieder auf», sagte eine Sprecherin des Flughafens am Freitagnachmittag. Die ersten Maschinen würden enteist werden. «Die Enteisung dauert entsprechend den aktuellen Witterungsbedingungen bis zu einer Stunde und damit mehr als doppelt so lange wie üblich.» 

Wann genau die ersten Flugzeuge starten und landen können, ließ sie offen. Die Airlines entscheiden laut Sprecherin letztlich eigenständig, ob die Flüge durchgeführt oder gestrichen werden.

Urlaube stehen auf dem Spiel

Für viele Passagiere steht der Urlaub damit weiterhin auf dem Spiel. Zu ihnen gehört auch Katja Kentmanseidel aus Braunschweig, sie will nach Ägypten. Ihr Flug sollte bereits am Donnerstagnachmittag abheben. Erst am späten Abend bekam sie die Mitteilung, dass er ausfällt. Ein Hotel bekam sie da nicht mehr, die Nacht verbrachte sie in den Flughafenhallen. «Wenigstens eine Tasse Tee hätten sie uns hier bringen können», sagt sie. 

Auch Bernd Kusitzky ist frustriert. Schon zwei Mal saß er am BER im Flieger nach London, musste ihn aber wieder verlassen. Auch er bekam am späten Abend die Nachricht, dass der Flug ausfalle. «Für das Eis kann niemand was, aber für die Informationen, die wir bekommen, das ist wirklich unterirdisch», schimpfte er. Immerhin bekam er noch ein Zimmer im Hotel.

Weitere Fluggäste beklagen die schlechte Informationslage ihrer jeweiligen Fluggesellschaften. An den Check-in-Schaltern hätten diese gar keine Ansprechpartner. Angaben online seien nur spärlich. 

Winterdienst im Dauereinsatz

Der Winterdienst der Flughafengesellschaft ist derweil im Dauereinsatz. Die ganze Nacht über seien die Vorfelder, Start- und Landebahnen mit Enteisungsmittel behandelt worden, sagte die Sprecherin. Räummaschinen waren auf dem Flugfeld im Einsatz. Aber zunächst ohne Erfolg, sie waren auch am Freitagmorgen spiegelglatt, hieß es. 

Sobald der Betrieb wieder aufgenommen werde, könnten die Airlines in der Regel entscheiden, ob der Flug noch heute stattfindet, ausfällt oder verschoben wird, betonte die BER-Sprecherin. «Die Fluggäste werden gebeten, ihren Flugstatus zu prüfen.»

Experte: Bei Eisregen geht nichts mehr

Eisregen ist für Flughäfen nach den Worten des Luftfahrtexperten Cord Schellenberg ein hohes Sicherheitsrisiko. «Für Piloten sind eisglatte Pisten absolute Ausschlusskriterien. Da ist null Spielraum», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Da geht nichts und da rollt auch nichts.» 

Bei Eisregen friere die Feuchtigkeit am Boden und auf den Flugzeugen derart schnell, dass ein sicherer Betrieb nicht möglich sei. Schnee lasse sich dagegen besser bearbeiten und mit Räumfahrzeugen wegschieben. «Das ist eher winterliche Routine, während Eisregen die winterliche Herausforderung schlechthin ist», betonte Schellenberg. 

Wenn die Sicherheit bei Start und Landung auf dem Flughafen nicht gewährleistet sei, müsse der Verkehr eingestellt werden. «Das gilt auch für den Boden: Denn wenn Flugzeuge nicht mehr rollen können, können auch die Betriebsfahrzeuge wie Busse, Technik- oder Rettungswagen nicht mehr auf dem Vorfeld fahren.» Der Flughafen sei dann insgesamt nicht mehr nutzbar, sagte Schellenberg. «Das Unkontrollierbare von Glatteis gilt für alle, die sich auf dem Flughafen bewegen.»

Einschränkungen schon am Donnerstag

Schon im Laufe des Donnerstags hatte es am Flughafen BER eine Reihe von Problemen gegeben. Zunächst konnten am Morgen nach gefrierendem Regen keine Maschinen starten. Das Enteisen der Flugzeuge nahm jeweils bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch. Der erste Flieger hob dann am späten Vormittag ab. 

Im Flugplan kam es anschließend zu erheblichen Verzögerungen und zahlreichen Ausfällen. Fluggäste mussten zum Teil lange Wartezeiten auf sich nehmen. Von den 180 geplanten Starts wurden der Sprecherin zufolge bis gegen Mittag bereits 35 komplett gestrichen und danach noch mehrere Dutzend.

Winterwetter hat Hauptstadtregion fest im Griff

Der Winter hatte in und um Berlin zuletzt auch bei anderen Verkehrsträgern für erhebliche Einschränkungen gesorgt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mussten in der vergangenen Woche den Straßenbahnverkehr wegen eingefrorener Oberleitungen über Tage einstellen. In dieser Woche kam es aufgrund erneuten Eisregens zu Beeinträchtigungen auf den U-Bahnlinien U2 und U3. 

Auf den Straßen war es am Freitag ebenfalls glatt. In Brandenburg starb im Landkreis Ostprignitz-Ruppin am Donnerstag eine 82-Jährige, die ersten Erkenntnissen zufolge mit ihrem Auto aufgrund von Glätte in den Gegenverkehr geraten und dort mit einem Auto zusammengeprallt war. Bei weiteren Unfällen am Freitag, unter anderem auf der A10 zwischen Mühlenbeck und Birkenwerder, wurden mehrere Menschen schwer verletzt.