Der Tod von Hatun Sürücü steht bis heute für das Schicksal vieler Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen.
Der Tod von Hatun Sürücü steht bis heute für das Schicksal vieler Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Foto: Soeren Stache/dpa

Berlin (dpa/bb) – Ihr Tod steht bis heute für das Schicksal vieler Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen: Zum 21. Todestag der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü wird in Berlin wie jedes Jahr mit einer Gedenkveranstaltung an das Schicksal der jungen Frau erinnert. 

Dazu ist am Freitag (6. Februar) ein stilles Gedenken mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft an dem Ort geplant, wo die 23-Jährige getötet wurde. An der Stelle an der Oberlandstraße in Tempelhof erinnert ein Gedenkstein an die junge Frau.


«Die Ermordung Hatun Sürücüs war ein Femizid – sie wurde getötet, weil ihr als Frau nicht das Recht zugestanden wurde, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten», sagte Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld. «Wenn wir heute ihres Todes gedenken, denken wir auch an die anderen Mädchen und Frauen, die getötet wurden oder Gewalt erfahren, weil sie Mädchen bzw. Frauen sind – überall auf der Welt, auch hier in Berlin», so die SPD-Politikerin.

Nötig sei ein besserer Schutz möglicher Opfer. In Berlin werde in diesem Monat das 9. Frauen- und Kinderhaus mit 52 Plätzen eröffnet, kündigte Kiziltepe an. «Dort werden auch Frauen mit mehreren Kindern aufgenommen, und somit schließen wir eine aktuelle Lücke in unserem Schutzsystem», so die Senatorin.

Von Bruder an Bushaltestelle erschossen

Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Tempelhof von einem ihrer Brüder erschossen. Ihr Tod löste bundesweit Entsetzen und eine Diskussion um patriarchale Strukturen in muslimischen Einwandererfamilien aus. 

Gegen den Willen ihrer Familie hatte die junge Frau ihr Kopftuch abgelegt und einen Beruf gelernt. Ihr westlicher Lebensstil verletzte vermeintlich die Ehre der Familie. Nach mehr als neun Jahren Jugendhaft wurde der Täter in die Türkei abgeschoben. Ein Gericht in Istanbul sprach zwei Brüder vom Vorwurf der Mittäterschaft frei.

Dauerhafte Gedenkstätte geplant 

Neben dem Gedenkstein am Tatort soll eine Gedenkstätte in Spandau dauerhaft an die Ermordung der Deutsch-Türkin erinnern. Das Bezirksamt Spandau will ihr Grab auf dem Friedhof in Gatow erhalten und neu gestalten. 

Die Umbettung dafür erfolgte nach Angaben von Baustadtrat Thorsten Schatz bereits vor Einbruch des Winters. Nach der Frostperiode sollen dann die Gestaltungsarbeiten für die neue Gedenkstätte beginnen. 

Da regelmäßig Menschen den Ort besuchen, hat der Bezirk die bisherige Grabstelle bestehen lassen und einen Hinweis angebracht, dass Sürücü umgebettet wurde. «Wir wollten so vermeiden, dass es weder zu Irritationen von Menschen kommt, die das Grab besuchen, noch dass der Eindruck entsteht, wir würden das Grab vollständig abräumen oder gar verstecken wollen«, erklärte Schatz auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.