
Berlin (dpa/bb) – Die Schüsse fielen am frühen Samstagmorgen. Mehrfach getroffen wurde ein 44-jähriger Mann, der in der Gustav-Adolf-Straße in Berlin-Weißensee auf dem Fahrersitz eines Transporters saß. Er starb laut Polizeiangaben nach erfolglosen Reanimationsversuchen an seinen schweren Verletzungen. Der oder die Täter waren am Sonntagmittag weiter flüchtig. Die Polizei bittet mögliche Zeugen um Mithilfe.
Die Beamten waren am frühen Samstagmorgen kurz nach 6.00 Uhr alarmiert worden. Nach ersten Erkenntnissen fielen die Schüsse aus einem dunklen Fahrzeug, das direkt neben dem geparkten Transporter gehalten hatte, in dem der 44-Jährige saß.
«Es ist davon auszugehen, dass gezielt auf ihn geschossen wurde», sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Unter dem Fenster an der Fahrerseite des Transporters waren mehrere Einschusslöcher sichtbar. Der oder die Täter flüchteten nach den Schüssen mit dem mutmaßlichen Tatfahrzeug.
Ermittlungen gehen in alle Richtungen
Der Tote ist der Berliner Polizei zufolge türkischer Staatsbürger. Die Hintergründe der Tat sind unklar. «Wir haben derzeit noch keinen Bezug zu einem Phänomen der Organisierten Kriminalität», erklärte der Polizeisprecher. Der sei nicht auszuschließen. Die Mordkommission ermittele gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft aber in alle Richtungen.
Auch, ob die Schüsse auf den 44-Jährigen im Zusammenhang mit ähnlichen früheren Gewalttaten stehen, lasse sich bisher nicht sagen. Seit Monaten werden Auseinandersetzungen in der organisierten Kriminalität in Berlin mit scharfen Schüssen ausgetragen.
Nach Einschätzung der Polizei geht es oft um Revierkämpfe im Drogenhandel oder um Erpressung von Geschäftsleuten. Die Polizei reagierte darauf mit umfangreichen Razzien. Verdächtige wurden festgenommen und Waffen beschlagnahmt.
Intensive Spurensuche am Tatort
Am Samstag ermittelte die Polizei mehrere Stunden lang am Tatort, der dafür weiträumig abgesperrt worden war. Auch Mitarbeiter des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) waren zur Spurensicherung in Weißensee. Ergebnisse liegen nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor.
Für den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, ist zumindest klar: «Das war keine schief gegangene Warnung, sondern eine gezielte Tötung», betonte er.
Wer mehrfach auf die Fahrertür eines geparkten Fahrzeugs schieße, nehme nicht nur billigend in Kauf, dass ein Mensch stirbt, sondern wolle diesen töten. «Eine solche Tat zeugt von einer extremen Gewaltbereitschaft, grenzenlosen Hass und kompletter Skrupellosigkeit.»
Polizei bittet um Mithilfe
Die Polizei sucht im Rahmen ihrer Ermittlungen nach Zeuginnen und Zeugen. Sie interessiert sich für Angaben zum Täter oder den Tätern, zum Tatfahrzeug oder zu Beobachtungen des Tatvorgangs, aber auch für Bilder oder Videoaufnahmen, die im Zusammenhang damit stehen könnten.
Hinweise nimmt die 7. Mordkommission des Landeskriminalamts telefonisch (030/46 64 91 17 77) oder per E-Mail (lka117@polizei.berlin.de) entgegen. Zeuginnen und Zeugen können sich auch an jede andere Polizeidienststelle wenden oder die Internetwache nutzen.
