
Potsdam/Gütersloh (dpa/bb) – Nur eine geringe Zahl der Kitas in Brandenburg ist einer Studie zufolge mit der optimalen Personalstärke ausgestattet, um für alle Kinder gute Bildung und Betreuung zu gewährleisten. Rund ein Prozent der Kitas – also jede hundertste – erreicht die empfohlene Personalquote von 100 Prozent, wie aus einer bundesweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit Sitz in Gütersloh hervorgeht.
Am anderen Ende der Skala stehen rund 56 Prozent der Einrichtungen: Diese arbeiten mit einer besonders schwachen Personaldecke – 60 Prozent der Stellen, die aus wissenschaftlicher Sicht empfohlen werden. Den Angaben zufolge verfügen weitere knapp 39 Prozent der Kitas nur zwischen 60 und 80 Prozent. Weitere rund 4 Prozent der Kitas haben mindestens 80 Prozent des empfohlenen Personals zur Verfügung, erreichen aber nicht die 100 Prozent.
Brandenburg im Vergleich
Die Personalausstattungsquote ist ein in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien entwickelter Indikator. Er soll der Studie zufolge ermöglichen, die Personalsituation in Kitas auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik differenziert abzubilden.
Brandenburg habe laut Studie im Bundesländervergleich eine vergleichsweise eher niedrige Personalausstattungsquote von 0,59. Das bedeutet: Im Mittel verfügen die Kitas im Bundesland über 59 Prozent der Personalressourcen, die notwendig wären, um die fachlichen Empfehlungen zu erfüllen. Die höchste Quote hat Baden-Württemberg mit 0,91, die niedrigste Mecklenburg-Vorpommern mit 0,5.
Lage in anderen Bundesländern
Laut Analyse für 2024 verfügen bundesweit lediglich 13,7 Prozent der Kitas über eine 100-Prozent-Personalausstattung. Auffällig dabei: In Westdeutschland sind es im Schnitt 16,3 Prozent, in Ostdeutschland mit Berlin dagegen nur 2 Prozent.
Mit einer schwachen Personaldecke – 60 Prozent und weniger als wissenschaftlich empfohlen – arbeitet demnach deutschlandweit etwa jede fünfte Kita (21,2 Prozent), wobei es im Westen nur rund 11 Prozent, aber in den ostdeutschen Ländern mit Berlin zwei Drittel (65,3 Prozent) seien.
Muttersprache als Kriterium
«Ausreichende Personalkapazitäten sind unabdingbar, wenn es um die notwendigen zeitlichen Ressourcen für die individuelle Bildungs- und Entwicklungsförderung des einzelnen Kindes geht», betont das Studienteam. Ob die vorhandene Anzahl der Mitarbeitenden für den Bedarf der Kinder angemessen ist, hänge unter anderem von der Größe der Kita, dem Alter der betreuten Kinder sowie deren besonderen pädagogischen Anforderungen ab.
Die Fachleute haben deshalb erstmals nicht nur die reine Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher mit der Zahl der betreuten Kinder und deren Alter ins Verhältnis gesetzt. Stattdessen berücksichtigten sie auch die effektiv für pädagogische Aufgaben verfügbare Arbeitszeit sowie die Zahl der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache oder einer körperlichen, geistigen oder (drohenden) seelischen Behinderung in einer Kita, weil sie eine intensivere Begleitung benötigen.
In Brandenburg spricht in acht Prozent der Einrichtungen mehr als ein Viertel der Kinder nicht Deutsch in der Familie, und 22 Prozent der Einrichtungen werden von Kindern mit Eingliederungshilfe besucht.
