Im Bundesarchiv ließ sich die Holocaust-Überlebende Tova Friedman vom Präsidenten der Behörde, Michael Hollmann, erklären, warum ein Großteil der Dokumente nach wie vor nicht online zugänglich ist.
Im Bundesarchiv ließ sich die Holocaust-Überlebende Tova Friedman vom Präsidenten der Behörde, Michael Hollmann, erklären, warum ein Großteil der Dokumente nach wie vor nicht online zugänglich ist. Foto: Markus Lenhardt/dpa

Berlin (dpa) – Vor ihrer Bundestagsrede anlässlich des Holocaust-Gedenktages hat die jüdische Auschwitz-Überlebende Tova Friedman im Bundesarchiv Dokumente und Filmmaterial angeschaut, die auch mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu tun haben. «Die vielen Aktenkilometer aus dem dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte sind uns Mahnung und Auftrag zugleich», sagte der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann, der die 87-Jährige in einer Liegenschaft der Behörde in Berlin-Lichterfelde empfing.

Erfahrungen weitergeben an die Enkel-Generation 

Friedmann wurde 1938 in Gdingen unweit von Danzig geboren. Als Fünfjährige wurde die Jüdin in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen deportiert. Zusammen mit ihrem Enkel, Aron Goodman, betreibt die US-Bürgerin den Tiktok-Account «TovaTok», um von ihren Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten. 


Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau starben zwischen 1940 und 1945 rund 1,1 Millionen Menschen, die meisten von ihnen waren Juden. Sie wurden erschossen, in Gaskammern ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten. Tova Friedman und ihre Mutter überlebten die Zeit im Lager. Ihr Vater wurde von Auschwitz in das KZ Dachau gebracht und überlebte ebenfalls. Nach der Befreiung traf sich die Familie in Berlin wieder. Später wanderte sie aus in die USA. 

Zu den Unterlagen, die sie im Archiv anschauen konnte, gehörte auch ein Papier, auf dem ihre Verlegung in ein Sanatorium in Bad Wörishofen nach Kriegsende dokumentiert war. Sie habe sich an den Aufenthalt dort erinnern können, aber nicht mehr an den Namen des Ortes, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. 

Beweise müssen sicher aufbewahrt werden

Friedman ist als Sechsjährige in dem vom Bundesarchiv aufbewahrten sowjetischen Dokumentarfilm über die Befreiung von Auschwitz zu sehen, wie sie ihren Arm mit der eintätowierten Häftlingsnummer in die Kamera hält. Sie erklärt: «Das Bewahren der Dokumente ehrt die Opfer und trägt dazu bei, dass künftige Generationen nicht sagen können, sie hätten nichts gewusst.» 

Deutschland stellt sich seiner Geschichte

Der Zeitzeugin ist es wichtig, dass Dokumente aus der NS-Zeit sicher aufbewahrt werden. Zu den Dokumenten, die sie in Berlin anschauen konnte, gehören auch Papiere, in denen Sonderzüge der Reichsbahn aus ganz Europa mit dem Ziel Auschwitz aufgeführt sind. Es sei gut, dass sich Deutschland mit den finsteren Jahren seiner Geschichte auseinandersetze, an der Seite Israels stehe und Antisemitismus bekämpfe, sagt Friedman. Dies sei auch der Grund, weshalb sie sich schließlich entschlossen habe, Deutschland doch zu besuchen – ein Land, dessen Boden sie eigentlich nie mehr habe betreten wollen.