
Berlin (dpa) – Die Bildungsministerin geht kurz auf die Knie, um die Namensschilder von Marla, Emma und Sean zu entziffern. «Sehr schön, ich bin Karin», sagt Karin Prien in einem Kindergarten in Berlin-Kreuzberg. «Ich bin die Ministerin, die auch für die Kitas zuständig ist. Und ich bin heute hier, um euch ein Büchlein vorzulesen.»
«Alle machen mit», heißt das Pixibuch, mitgestaltet vom Deutschen Kinderhilfswerk, gefördert von Priens Ministerium. Es geht um einen neuen Kita-Mitmachgarten, bei dem die Erwachsenen vergessen haben, die Wege breit genug für den Rollstuhl der kleinen Maja zu machen. Die Erwachsenen- Gießkannen sind zu schwer und stehen zu hoch im Regal. Aber die Kinder sagen Bescheid, und am Ende passt der Garten tatsächlich für alle.
«Darum geht es heute in diesem Buch, dass es sich wirklich lohnt, sich selber Gedanken darüber zu machen, wie man seine Umgebung verbessern kann», sagt die Bildungsministerin den Kindern. «Es geht auch um Kinderrechte.» Jedes Kind habe das Recht, gut zu leben und dazuzugehören. «Ganz wichtig, jedes Kind, egal wo es herkommt, welche Hautfarbe, welche Religion, ob es eine Behinderung hat oder keine Behinderung, das spielt alles gar keine Rolle.» Das ist die eine Botschaft, die die Ministerin hier setzen will.
Die andere: Vorlesen ist der Schlüssel zur Bildung. Bindung, Lautbildung, Geschichten verstehen, Fantasie wecken. «Insofern ist Vorlesen immer gut», sagt Prien. Es sei auch das wichtigste Miteinander, um die deutsche Sprache zu erlernen. «Deshalb ist mir das so wichtig.»
Für die Erwachsenen im Raum sagt die Ministerin: «Für diese Bundesregierung ist von entscheidender Bedeutung, dass frühe Bildung mehr in den Fokus gerät und dass frühe Bildung als Recht für jedes Kind in Deutschland auch in einer besseren Qualität realisiert wird.» Sie sei in den letzten Zügen der Verhandlungen mit den Ländern zum neuen Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz mit einheitlichen Standards ab 2027.
Da in einigen Regionen Kitaplätze freiblieben, habe man die Chance, mehr Ressourcen in die Förderung zu geben. «Mein großer Appell an Länder und Kommunen ist, jetzt nicht zu sparen», sagt Prien. Die «demografische Rendite» müsse diesmal wirklich für bessere frühe Bildung genutzt werden.