Im Kultclub SchwuZ gingen im November die Lichter aus. (Archivbild)
Im Kultclub SchwuZ gingen im November die Lichter aus. (Archivbild) Foto: Christophe Gateau/dpa

Berlin (dpa/bb) – Flughafen Tegel, Avus und vielleicht ein neues SchwuZ: Nach Einschätzung der Clubcommission lässt es sich in Berlin auch in diesem Jahr gut feiern. «Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber es ist jetzt auch nicht das Damoklesschwert, das über Berlin hängt, und nächstes Jahr gibt es keine Clubs mehr», sagte der Vorstandsvorsitzende Marcel Weber der Deutschen Presse-Agentur. Statt einem Clubsterben sieht Weber eine Neusortierung. Doch wo lässt es sich gut ausgehen?

Zukunft des SchwuZ

Der queere Kultclub SchwuZ feierte im vergangenen November seine vorerst letzte Party. Das SchwuZ hatte Ende Juli Insolvenz angemeldet. Damals erklärten die Betreiber, man habe die Reißleine ziehen müssen, bevor die Zahlungsunfähigkeit eintrete. Trotz Sparmaßnahmen und struktureller Veränderungen sei die wirtschaftliche Lage ernster als erwartet gewesen.


Wie es weitergeht, ist noch offen. «Die letzte Zeit haben wir für interne Absprachen, Sondierungen und natürlich auch den Blick in die Zukunft genutzt.» Spruchreif ist noch nichts, das könnte sich aber «zeitnah» ändern, hieß es aus dem SchwuZ. Auch Marcel Weber von der Clubcommission sagte, die letzte Messe sei noch nicht gelesen. Es gebe Bestrebungen, einen neuen Standort zu finden, und Hoffnung auf eine Wiedereröffnung noch in diesem Jahr.

Zudem könnten auch am bisherigen Standort wieder Clubnächte stattfinden. Unter den Bewerbungen für eine Nachfolgenutzung der Räume seien auch erfahrene Akteure aus der Berliner Clubszene, sagte Weber.

Tanzen in den stillgelegten Stadtflughäfen

Neue Orte zum Feiern könnten auch an unerwarteten Stellen entstehen: Am Flughafen Tegel plant das Kollektiv Khisdapaze laut Clubcommission Kulturveranstaltungen und Raves in der ehemaligen Frachtkantine. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Kollektiv auf dem Flugfeld Open-Air-Partys und einen Wintermarkt organisiert.

Auch auf dem zweiten ehemaligen Stadtflughafen gibt es Bewegung: In der Alten Feuerwache am Hangar des Flughafens Tempelhof soll nach dem Willen der Clubcommission weiter getanzt werden. Dort hatte es im vergangenen Jahr für zwei Monate Club- und Kulturexperimente gegeben.

Go West

Es gibt aber auch neue Club-Adressen: Auf den ehemaligen Zuschauertribünen an der Stadtautobahn Avus standen im Dezember im C115 erste Partys auf dem Programm. In Spandau eröffnete zudem im November der AM Club – auf dem Gelände der alten Molkerei.

Dass neue Clubs zunehmend auch außerhalb der innerstädtischen Hotspots entstehen, sieht Weber gelassen. Spandau sei von Charlottenburg aus schneller zu erreichen als Friedrichshain oder Kreuzberg, sagte er. «Wir versuchen, die Stadt als Ganzes zu denken. Insofern gibt es vor allem Hoffnung und Optimismus.»