
Rathenow (dpa) – Ein Kinderarzt soll während des Dienstes in einer Klink im brandenburgischen Rathenow westlich von Berlin ein Kind sexuell missbraucht haben. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Mann noch mehr Kinder missbraucht hat, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam am Nachmittag sagte. Der 45 Jahre alte Kinderarzt sitzt seit November in Untersuchungshaft.
In einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es: «Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, am 02. 11. 2025 im Rahmen der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit ein Kind in den Räumen des Klinikstandorts Rathenow sexuell missbraucht zu haben.» Das Krankenhaus gehört zur Havelland Kliniken GmbH, die tief betroffen reagierte. Am Mittwoch will das Unternehmen erklären, wie es mit den Vorwürfen gegen den Arzt umgeht.
Nach der Anzeige der Mutter des Kindes kam es zu Durchsuchungen der Polizei. Die Ermittler stellten eine Vielzahl von Datenträgern sicher. Die Auswertung und weitere Beweismittel führten zu einem dringenden Tatverdacht gegen den Arzt, wie es hieß.
Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr
Der Mann wurde am 24. November festgenommen. Einen Tag darauf erließ eine Ermittlungsrichterin Haftbefehl. Als Haftgrund wird Wiederholungsgefahr angeführt. Die Polizei hat auch ein Hinweistelefon eingerichtet.
Die Auswertung der sichergestellten Datenträger habe Anhaltspunkte für das Vorliegen weiterer Missbrauchshandlungen ergeben, so die Staatsanwaltschaft Potsdam. Um wie viele mutmaßliche Opfer es geht, sagte die Sprecherin der Behörde, Oberstaatsanwältin Hanna Urban, jedoch nicht.
Klinik-Gesellschaft will Fall aufarbeiten
Das betroffene Klinik-Unternehmen, das Standorte in Nauen und Rathenow hat, startete nach eigenen Angaben eine interne Aufarbeitung. Auch eine Überprüfung des Kinderschutzkonzepts sei angestoßen, hieß es. Zudem teilte die Havelland Kliniken GmbH mit: «Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Kindern und ihren Familien.»
Anhaltende Ermittlungen, wenig Antworten
Die Staatsanwaltschaft Potsdam hielt sich mit weiteren Auskünften bedeckt. Zur Auswertung von Datenträgern und ob es sich um ein Handy und einen Computer handelte, machte die Behörde mit Verweis auf die andauernden Ermittlungen keine Angaben. Zur Frage, warum die Staatsanwaltschaft rund eineinhalb Monate nach der Festnahme an die Öffentlichkeit geht, sagte die Sprecherin: «Wir haben Ermittlungen durchgeführt. Nun schien ein geeigneter Zeitpunkt.»
