Politik: Spitzenpolitiker von SPD und Grünen sollen ihre Kandidaturen abgesprochen haben, um bei der Wahl nicht aufeinander zu treffen.

Um ihre Chancen gegen Kandidaten der Partei „Die Linke“ zu verbessern, sollen sich Bausenator Andreas Geisel (SPD) und Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek bei ihren Kandidaturen abgesprochen haben. Beide bestreiten die Vorwürfe – doch in den anderen Fraktionen sieht man sie als erwiesen an.

Die B.Z. hatte berichtet, dass die beiden Politiker in unterschiedlichen Wahlkreisen antreten wollten, um sich als Zugpferde ihrer Parteien nicht gegenseitig Stimmen wegzunehmen – und dadurch insbesondere die Linke zu stärken, die zum Teil um dieselbe Klientel wirbt. Tatsächlich tritt Kapek im Wahlkreis 4 an, der unter anderem von der Paul-Junius-Straße, der Herzbergstraße und dem Stadtpark eingegrenzt wird. Andreas Geisel stellt sich dagegen im Wahlkreis 6 zur Wahl, der die Gebiete Karlshorst, Trabrennbahn und Rummelsburg umfasst.

Knappe Antworten

Dass die örtlich getrennten Kandidaturen Teil einer Absprache sind, bestreiten aber sowohl Geisel als auch Kapek. Auf entsprechende Anfragen reagiert der Bausenator mit einem knappen „nein“ und Kapek erklärt, sie freue sich „in diesem spannenden und vielfältigen Stadtteil für grüne Politik werben zu können – dafür braucht es keine Absprachen.“ Im Gegenteil hätten die Grünen keine Stimmen zu verschenken. Wegen einer im Internet veröffentlichten SMS Kapeks an einen B.Z.-Redakteur, in der von einem „Agreement“ zwischen ihr und Geisel die Rede ist, nehmen ihr Ihre Konkurrenten im Wahlkreis das Dementi jedoch nicht ab. Von einem „Gerücht“ will etwa Fabian Peter, der in Wahlkreis 6 für die CDU antritt, vor diesem Hintergrund nicht sprechen und hält die Vorwürfe für „bestätigt“ – und wenig von taktischen Absprachen. „Wir beteiligen uns nicht daran, sondern wir setzen uns seit vielen Jahren aktiv vor Ort für die Interessen der Bürger ein. Wenn SPD und Grüne einen Handschlag zur Wahlkreisverteilung als wichtiger einschätzen, dann sollen sie es so machen“, meint Peter.

Und auch Sebastian Schlüsselburg, der im Wahlkreis 4 für die Linke antritt, hält die Absprache für erwiesen – und zeigt sich verwundert. „Frau Kapek wird erklären müssen, warum sie als Grüne ausgerechnet dem A100-Senator hilft. Es macht sie persönlich und die Politik der Grünen unglaubwürdig“, glaubt der stellvertretende Vorsitzende der Linken in Lichtenberg.

Viel Taktik

Schlüsselburg glaubt dabei, dass die Absprache vor allem auf den ehemaligen Senator Harald Wolf abzielt: Der Linkspolitiker gewann bei den letzten beiden Wahlen im Wahlkreis 6; zuletzt allerdings relativ knapp. Der 59-Jährige sieht mögliche Wahlkampftaktiken der Konkurrenz jedoch gelassen. „Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu Gerüchten und Spekulationen. Ich werbe im Wahlkampf für Inhalte, wirkliche oder vermeintliche Absprachen anderer Kandidaten interessieren dabei nicht“, so Wolf.

Philip Aubreville / Bild: Stefan Bartylla / Bild: imago stock&people