Umwelt: Als erster Bezirk vermietet Steglitz-Zehlendorf keine Flächen mehr an Zirkusse mit exotischen Tieren.
Ob der Elefant, der Kunststücke vorführt, oder der dressierte Tiger, der durch einen brennenden Reifen springt – lange gehörten exotische Tiere zum Zirkus wie Clowns und Zauberer. Für manche Menschen sind derartige Showeinlagen allerdings aus der Zeit gefallen – Wildtiere können ihrer Meinung nach in einem Zirkus nicht artgerecht gehalten werden. Bereits 2010 hatte die Bundestierärztekammer ein Verbot von Löwe, Bär und Co. in einem reisenden Zirkus gefordert.
Gestörtes Verhalten
Derartigen Auffassungen hat sich nun auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) angeschlossen: Als erster Bezirk Berlins soll Steglitz-Zehlendorf künftig keine öffentlichen Flächen an Zirkusse mit Wildtieren vermieten. Laut Experten führe die Unterbringung in oft zu engen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die mit Zwang geprägte Dressur zu Verhaltensstörungen und Krankheiten der Tiere, heißt es in der Begründung des von SPD mit Unterstützung der Grünen eingereichten Antrags.
Zwar wurden für das aktuelle Jahr bereits Nutzungsverträge mit Zirkussen abgeschlossen. Ab dem 1. Januar 2017 soll die Regelung aber in Kraft treten. Dass Zirkusse mit Wildtieren dann auf private Flächen ausweichen, sei mangels Angebot „unwahrscheinlich“, erklärt Evelyn Kersten. Die SPD-Bezirksverordnete, die sich zugleich bei der Bezirksgruppe des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) einsetzt, hatte den Antrag maßgeblich mitgestaltet. Dieser beinhaltet dabei auch eine Aufforderung an das Bezirksamt, „sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, die Haltung von Wildtieren in Zirkussen zu verbieten.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. „Das Verbot von Wildtieren in Zirkussen ist schon seit einigen Jahren Thema in Berlin und findet auch auf Senatsebene Unterstützung. Ein großes Interesse anderer Bezirke zeichnet sich bereits ab“, erklärt Kersten und erhofft sich nun „berlinweite Signalwirkung“.
Die Initiative des Bezirksparlaments stößt dabei nicht nur auf Gegenliebe. „Man kann Wildtiere im Zirkus durchaus so halten, dass es ihnen gut geht“, sagt etwa Dirk Candidus vom Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“. Auch er verweist auf Experten und wissenschaftliche Studien, die etwa die Lebenserwartung oder die Konzentrationen von Stresshormonen bei Tieren in Zirkussen untersucht hätten.
Verbot kritisiert
Den Gegnern von Zirkussen mit Wildtieren wirft er „Ideologie“ vor – und äußert rechtliche Bedenken hinsichtlich von Verbots-Ideen.“ Wegen der genauen Regelungen auf Bundesebene bedürfe es keiner weiteren Eingriffe. „Das System ist perfekt“, meint Candidus und ergänzt: „Kommunale Wildtierverbote stehen im Widerspruch zum Tierschutzgesetz, das die Haltung von Wildtieren im Zirkus ausdrücklich erlaubt.“
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