Städtepartnerschaft: Jugendliche aus Tychy, Minsk und aus dem Bezirk begegnen sich.
Wie gelebte Städtepartnerschaft aussehen kann, ließ sich kürzlich im Stadtteilzentrum „Kompass“ bewundern: Anlässlich des „Internationalen Frauentags“ legten hier mehrere junge Menschen eine heiße Polka-Nummer aufs Parkett – Jugendliche, deren Hintergrund unterschiedlicher kaum sein könnte. Teenager aus dem Bezirk und ihre aus Syrien oder dem Irak geflüchteten Mitschüler aus der „Thüringen-Schule“ trafen bei der städtepartnerschaftlichen Begegnungswoche auf Jugendliche aus dem polnischen Tychy und dem Bezirk Oktober der weißrussischen Hauptstadt Minsk. „Mittlerweile fanden schon fast sechzig partnerschaftliche Begegnungen statt, bei denen insgesamt fast dreitausend junge Menschen aus Polen und Weißrussland mit den gastgebenden Gruppen aus Marzahn-Hellersdorf, neuerdings immer öfter auch jungen Flüchtlingen aus Marzahner Unterkünften, zusammentrafen“, berichtet Hans-Jörg Muhs von der urban-social gGmbH, die den Austausch organisiert. Anlässlich des „Europäischen Jahres gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ging es dieses Mal vor allem um die Themen Akzeptanz und Toleranz, die auf ganz unterschiedliche Weise behandelt wurden.
Im Gespräch
Bei einer Foto-Ausstellung kamen die Jugendlichen zudem unter anderem mit Botschaftsrat der weißrussischen Botschaft, Alesksej Zhbanov, und der Jugend- und Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) ins Gespräch. „Die Verständigung der Jugendlichen funktionierte erfahrungsgemäß völlig unkompliziert. Die einheitliche Sprache ist das gemeinsame Interesse. Nicht nur die Sprache, vielmehr auch die nonverbale Kommunikation erweisen sich als Brücken der Verständigung“, erläuterte Muhs. Überhaupt seien die teilweise großen Unterschiede zwischen den Heimatländern für die Teilnehmer kein Thema gewesen, meint Muhs. „Junge Menschen aus dem Minsker Stadtbezirk Oktober denken in wesentlichen Fragen der Zeit ganz anders als die politischen Wortführer in Weißrussland, und auch die Jugendlichen aus Marzahn oder Tychy sehen sich im Konsens zu den jungen Leuten der anderen Gruppen“, so Muhs. Kein Wunder, dass zum Abschied die eine oder andere Träne floss. Doch auch wenn die Begegnungswoche schnell vorbei ging – über soziale Netzwerke und Chats halten die Jugendlichen über die Landesgrenzen hinweg Kontakt. „Viele gemeinsame Ansagen, Statements und Likes bei Facebook zeigen bereits nach den ersten Tagen des Treffens, wie intensiv und souverän die jungen Teilnehmer ihre gemeinsamen Erlebnisse verarbeiten“, erklärt Hans-Jörg Muhs.
Philip Aubreville