Noch ein Bauskandal made in Berlin: Die Friedrichswerdersche Kirche ist eine der bedeutendsten Schinkelbauten in Berlin. Doch das schert den Senat wenig, wenn es darum geht, sie mit Luxuswohnungsbau aus dem Stadtbild zu tilgen.
Berlins ohnehin lädierter Ruf als Stadt, die an wichtigen Bauprojekten regelmäßig zu scheitern droht, ist um einen weiteren Skandal reicher. Diesmal betrifft es den wohl bedeutendsten Skakralbau Schinkels, die Friedrichswerdersche Kirche. Was die Bomben im zweiten Weltkrieg nicht schafften, was die DDR-Oberen gerade noch zu verhindern wussten – der Berliner Senat in Person seiner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und des zuständigen Senators – erst Michael Müller, jetzt Andreas Geisel (beide SPD) – könnten das denkmalgeschützte Bauwerk mit ihrem Handeln tatsächlich zum Einsturz bringen.
Schuld daran sind Baugenehmigungen für zwei Luxuswohnprojekte, die sich bis auf fünf beziehungsweise zehn Meter an die Kirche heranschieben und diese – wenn sie fertig sind – aufgrund ihrer Höhe aus dem Stadtbild tilgen werden. Was noch schlimmer ist: Durch den Bau von zweistöckigen Tiefgaragen und den daraus resultierenden Erschütterungen wurde nicht nur das Fundament des Schinkelbaus, sondern seine komplette Statik in Mitleidenschaft gezogen. Schon 2012 musste die einstige Kirche, die als Ort der Skulpturensammlung der Alten Nationalgalerie eine neue Bestimmung gefunden hatte, komplett gesperrt werden. Wie hier ein bedeutendes Denkmal deutscher Geschichte behandelt wurde, spottet jeder Beschreibung. Das sehen auch Christian Freigang (Freie Universität), Kai Kappel (Humboldt Universität) und Kerstin Wittmann-Englert (Technische Universität) so. Die international äußerst renommierten Experten in Sachen Architektur und Kunstgeschichte fordern in einem offenen Brief an Senator Geisel und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher „die unverzügliche, sachkundige und bestandserhaltene Sanierung dieses herausragenden Bauwerks“.
Die drei Professoren kritisieren, dass „unsachgemäße Fundamentierung und opulente Tiefgaragen“ zu einer außerordentlich prekären baustatischen Situation geführt haben und zugleich die maßstabslose, gleichsam erdrückende Höhenentwicklung der angrenzenden Bauprojekte.
Text & Bilder: Ulf Teichert