Toleranzarbeit: Fest für Demokratie geht in nächste Runde.
Rechtsextreme Straftaten – nicht zuletzt gewalttätige Übergriffe – sind nach wie vor ein Problem im Bezirk. Im Jahr 2015 erfassten ReachOut, die Beratungsstelle für Opfer rassistischer und rechter Gewalt und die Register in den Bezirken für Treptow-Köpenick 305 Vorfälle (2014: 231). Das sei seit Bestehen des Registers die bisher höchste Anzahl in einem Jahr. Der Schwerpunkt der Meldungen im letzten Jahr lag bei rassistischen Vorfällen (156), der höchste Anstieg nach Art der Vorfälle waren Kundgebungen und Demonstrationen (61), fast ausschließlich mit rassistischem Motiv. Den traurigen Höhepunkt stellen 22 Angriffe dar, wovon die Hälfte mit Hilfsmitteln stattfand (Böller, Luftdruckgewehr, Flaschen, Hunde), drei davon mit Messern. Das Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick (ZFDTK) hat mit seinen Partnern jetzt eine aktualisierte Fassung des Flyers „10 Punkte für Zivilcourage“ herausgegeben. Dieser bietet einfache Handlungsanleitungen, wie Menschen in Diskriminierungs- oder Bedrohungssituationen solidarisch unterstützt werden können. Die Flyer sind über das ZFDTK zu beziehen.
Offene Bürger
Wahr ist aber auch: In den letzten Jahren haben Vereine und Initiativen wichtige Schritte ergriffen, um gegen rechte Gewalt und Propaganda im Bezirk vorzugehen. Neben den zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die bis zum 23. März laufen, spielt das „Fest für Demokratie“ eine wichtige Rolle. Die diesjährige Auflage der Veranstaltung in der Schnellerstraße und am Michael-Brückner-Platz findet am
21. Mai (13 bis 19 Uhr) statt. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz und der Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) als Schirmherr rufen alle engagierten Demokraten auf, Ideen zu entwickeln und zu realisieren, die zeigen sollen, dass Treptow-Köpenick ein bunter, toleranter Bezirk ist. Auf zwei Bühnen werden sich Musiker, Tanzgruppen und Vereine abwechseln. „In diesem Jahr ist es besonders wichtig zu zeigen, dass Schöneweide heute zwar nicht mehr Schwerpunkt rechter Gewalt, aber zum Aktions- und Rückzugsraum für Neonazis und Rechtspopulisten aus ganz Berlin geworden ist“, so ein Aufruf des ZDTK. „Wir müssen zeigen, dass die Menschen, die vor Not, Vertreibung, Krieg und Diskriminierung fliehen mussten und in unserem Bezirk Unterkunft finden, von der Mehrheit der Bürger offen, vorurteilsfrei und freundlich aufgenommen werden.“ Projektträger, Vereine, Interessengruppen und weitere Initiativen sowie Künstler können ihre Teilnahme bis zum 6. Mai anmelden.
Weitere Informationen finden Sie unter:
zentrum@offensiv91.de
www.zfdtk.de
Nils Michaelis / Bild: Thinkstock/iStock/scanrail