Die „Tuschkastensiedlung“ in Bohnsdorf. Bild: Moritz Ferdinand Stengel
Die „Tuschkastensiedlung“ in Bohnsdorf. Bild: Moritz Ferdinand Stengel

Beim Spaziergang am südöstlichen Stadtrand durch Bohnsdorf und Altglienicke sieht man architektonische Perlen

Auf der Fahrt mit der S-Bahn zum Flughafen BER in Schönefeld sind die Bahnhöfe Alt­glienicke und Grünbergallee die letzten Haltepunkte auf Berliner Stadtgebiet. Doch wer dachte, dass die zwei ­Ortsteile Bohnsdorf und Altglienicke vom Wachstumsmotor Airport profitieren würden, der dürfte überrascht sein von der fast unveränderten Provinzialität dieser Fleckchen am südöstlichen Stadtrand. Trotzdem gibt es dort überraschende architektonische Perlen und unerwartete Perspektiven zu entdecken. Machen wir uns auf den sieben Kilometer langen Weg.


Vorbei am Dorfanger zum Falkenberg

Der beginnt am S-Bahnhof Grünbergallee, wo wir die A96a überqueren und dann die Grünbergallee entlang zum Bohnsdorfer Dorfanger mit verschilftem Weiher und dahinterliegender Kirche gelangen. Unter der A117 hindurch erreichen wir die Paradiesstraße, in die wir links einbiegen. Nach wenigen Metern erblicken wir eine nach der Wende begonnene und stetig wachsende Wohnanlage mit weißen Häusern am Fuße des Falkenbergs. Dort haben hunderte Familien, die die frische Luft und die günstige Verkehrsanbindung lieben, ein neues Zuhause gefunden.

Nun geht es über den Kirchsteig und die Grottewitzstraße zum Krankenhaus Hedwigshöhe, das 1925 in Betrieb genommen wurde und in den vergangenen Jahren eine moderne Klinik mit mehr als 450 Betten geworden ist. Hinter dem Krankenhaus in nördlicher Richtung gelangen wir zum Falkenberg, auch Buntzelberg genannt, der mit seinen knapp 60 Metern Höhe zwar nur halb so hoch wie der Teufelsberg ist, aber von seiner Kuppe mit dem Findling einen tollen Ausblick bis hin zu den Müggelbergen ermöglicht.

Es geht über eine Treppe gen Osten den Berg hinab bis zur Buntzelstraße und dann weiter bis zur Richterstraße. Kurz vorher hat auf dem ehemaligen Gutshausgelände Kunstschmied Achim Kühn seine Werkstatt, dessen Vater Fritz den Brunnen „Schwebender“ am Strausberger Platz geschaffen hat.

Die Straße Am Falkenberg entlang erreichen wir die farbenfrohe Wohnanlage Akazienhof und wenig später den Gartenstadtweg mit seinen bunten Häusern. Die „Tuschkastensiedlung“ am Gartenstadtweg und im Akazienhof wurde nach Entwürfen von Bruno Taut von 1913 bis 1916 errichtet und ist heute Weltkulturerbe.

Prominente Bewohner der Germanenstraße

Den Weg hinauf geht es nun zum S-Bahnhof Altglienicke und über die Brücke zum gleichnamigen Ortsteil. In Bahnhofsnähe wohnten einst der Dirigent Kurt Masur und DDR-Fernsehliebling Willi Schwabe („Rumpelkammer“). Die Germanenstraße laufen wir bis zur Rosestraße, dort rechts bis zur „Zwiebelkirche“ und dann links in die Preußenallee hinein. Dort erreichen wir die mausgraue Preußensiedlung mit ihren winzigen Reihenhäusern, die in den vergangenen Jahren saniert wurden. Die nach englischem Vorbild geplante Gartenstadt mit 54 Kleinhäusern entstand von 1910 bis 1913 nach Entwürfen der Architekten Max Bel, Franz Clement und Hermann Muthesius.

Von dort geht es zurück bis zur Schirnerstraße, die hinunter vorbei am ehemaligen Wasserturm von 1906, dem Wahrzeichen Altglienickes, der nach Jahren des Verfalls zum Wohnturm hergerichtet wurde. Nach rechts geht es auf der Straße am Falkenberg unter der Autobrücke hindurch und dann links zum S-Bahnhof Grünau. Dessen Umfeld hat sich zu einem kleinen Zentrum mit Geschäften und Dienstleistern gemausert. Dort endet der Ausflug an den südöstlichen Stadtrand.