Der Jüdische Friedhof in Weißensee. Foto: IMAGO / Schöning
Der Jüdische Friedhof in Weißensee. Foto: IMAGO / Schöning

Bei einem Spaziergang durch den Pankower Ortsteil Weißensee kann Architektur bewundert und der Jüdische Friedhof an der Herbert-Baum-Straße besucht werden.

Bei vielen gilt Weißensee als langweilig und graue Maus. Zu Unrecht! Bei dieser Tour entpuppte sich der ehemals eigenständige Bezirk und heutige Ortsteil von Pankow als sehr lebendig und mit vielen schönen Straßenzügen. Die Erkundung hat eine Länge von etwas über sechs Kilometer, man sollte sich mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, den Aufenthalt auf dem Jüdischen Friedhof nicht mitgerechnet.

Mit den Straßenbahnen der Linien M2 oder M13 erreicht man die lebhafte Kreuzung Prenzlauer Allee, Ecke Ostseestraße. Über letztere geht es zur Sült- und zur Erich-Weinert-Straße. Links erhebt sich die „Wohnstadt Carl Legien“, Weltkulturerbe der UNESCO als „Siedlung der Moderne“ und benannt nach dem Gewerkschaftler Carl Legien. Ein eindrucksvolles Bauensemble, erbaut von 1928 bis 1930 von Bruno Taut und Franz Hillinger. Auffällig sind die abgerundeten Balkone an den Eckhäusern.

Lebendiger Kiez in einer schmalen Straße

Wir umkreisen das Ensemble über die Erich-Weinert- zur Gubitzstraße. Dieser Straßenzug hat es vor ein paar Jahren mit einem absurden Streit zwischen Denkmalbehörde und Anwohnern über das Pflanzen von Bäumen sogar in die TV-Satiresendung „Extra 3“ geschafft. Heute stehen hier ältere Bäume, allerdings in ehrfurchtsvollem Abstand zum Weltkulturerbe. Hinter der Ostseestraße geht es zur Hosemann- und Roelckestraße. In der Lehderstraße stehen interessante niedrige Werkstätten: die früheren Ruthenbergschen Mietgewerbehöfe, erbaut ab Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wir erreichen die Langhansstraße: ein lebendiger Kiez in einer schmalen Straße, durch die auch die Tram fährt. In der Hausnummer 13 befindet sich seit 1968 der legendäre Fischladen der Firma Altekrüger (Langhansstraße 13, Weißensee, Tel. 92 79 10 00, geöffnet Mo–Fr 8–19 Uhr, Sa 9–14 Uhr, www.altekrueger-berlin.de). Auf dem Antonplatz ist dienstags und freitags Markt, direkt vor dem altehrwürdigen Kino Toni aus dem Jahr 1920. Jenseits der Berliner Allee geht es an einem Supermarkt vorbei zur Bizetstraße. Eine ruhige Wohngegend mit etlichen denkmalgeschützten Mietshäusern, in der Mahler- ebenso wie in der Gounodstraße.

Jüdischer Friedhof

Im Zickzackkurs erreichen wir den Eingang zum Jüdischen Friedhof (Herbert-Baum-Str. 45, Weißensee, Tel. 925 33 30, Öffnungszeiten 1.10. bis 31.3.: Mo–Do 7.30–16 Uhr, Fr 7.30–14.30 Uhr, So 8–16 Uhr, www.jg-berlin.org/judentum/friedhoefe/weissensee.html). 1880 eröffnet, ist der Jüdische Friedhof in Weißensee mit 42 Hektar der größte Friedhof seiner Art in Europa. Männer dürfen das Gelände nur mit Kopfbedeckung betreten (am Eingang auszuleihen). Etliche Prominente wie die Schriftsteller Theodor Wolff und Stefan Heym oder der Maler Lesser Ury sind hier bestattet. Die parkähnliche Anlage kann man stundenlang besichtigen und die dortige Stille genießen.

Es gibt nur einen Zugang, den wir über die Herbert-Baum-Straße hinter uns lassen. Über die Bizet- geht es zur Mahlerstraße, hinter der Berliner Allee beginnt die Tassostraße mit beeindruckenden Altbauten. Links neben dem Stadtteilzentrum Weißensee führt ein Pfad über den Jürgen-Kuczynski-Park, benannt nach dem Wirtschaftshistoriker, zum hübschen Kreuzpfuhl, den wir nach links zur Pistoriusstraße verlassen.

Die Bethanienkirche am Mirbachplatz ist eingerüstet. Hinter ihr führt die Straße an der Mauer des Georgen-Parochial-Friedhofs entlang zum Hamburger Platz. Über die Gustav-Adolf-Straße geht es zurück zum Ausgangspunkt an der Prenzlauer Allee.

Text: Martin Schwarz