Jetzt ist es offiziell: Das Post- und Finanzcenter in der Ritterstraße 6 macht zum 30. Dezember dicht. Mit der Zusammenlegung könne die Postbank ihre Leistungen weiterhin wirtschaftlich anbieten, heißt es. „Welch ein Hohn“, empört sich Olaf Courtois. „Bis dahin sind es fast zwei Kilometer – viel zu weit für alle, die schlecht zu Fuß sind.“ Und das werden immer mehr in diesem von Rentnern dominierten Kiez, bekräftigt der 70-Jährige aus der Prinzenstraße. „Die Immobilienhaie greifen hier alles ab. Das Kleingewerbe verschwindet, es wird immer schlechter mit Dienstleistungen, gerade für ältere Menschen“, sagt er.

Erst vor drei Monaten war die Filiale gründlich modernisiert worden, bietet seitdem unter einem Dach alle postalischen und Finanzleistungen an. Das ließ auf eine lange Zukunft hoffen. Dennoch jetzt das Aus. Die gehbehinderte Marlis Bayram stützt sich schwer auf ihren Rollator: „Wie kann man das zulassen? Denkt da keiner mit? “, fragt sie. Zwar ist der Staat immer noch größter Einzelaktionär der Post, doch längst versteht sich der „gelbe Riese“ als Global Player. Die Post ist verpflichtet, die postalische Grundversorgung mit deutschlandweit 12.000 stationären Einrichtungen flächendeckend zu gewährleisten. „Das tun wir auch“, versichert Anke Blenn, Pressesprecherin Deutsche Post DHL. „Seit 2013 wurden 500 zusätzliche DHL-Paketshops neu eingerichtet.“ Damit sei für rund 80 Prozent der Berliner Haushalte die nächste Annahmestelle innerhalb von 500 Metern erreichbar. Was die Ritterstraße betrifft, so sucht die Post in der Nähe einen Partner, der das postalisch Notwendigste anbietet.

jz, Bild: Jürgen Zweigert