WELTFRAUENTAG Jedes Jahr wird am 8. März für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau demonstriert. Jedes Jahr zeigt sich erneut: Es gibt noch viel zu tun.
Die Ungleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist immer noch ein Fakt. Immer noch verdienen Frauen in Deutschland rund ein Fünftel weniger als Männer, immer noch leisten Frauen 44 Prozent mehr Hausarbeit, und immer noch arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit. Die Aufstiegschancen für sie sind geringer, weil sie diejenigen sind, die nach der Geburt länger zuhause bleiben.
Denn: Väter gehen nach wie vor seltener in Elternzeit. Im Jahr 2023 waren es laut dem Statistischen Bundesamt nur 1,8 Prozent im Vergleich zu einem knappen Viertel aller Mütter in Deutschland, die diese Freistellung von der Arbeit in Anspruch nahmen.
Kinderbetreuung ist und bleibt also Frauensache, das spiegelt sich auch in der Statistik des Datenerhebungsportal Statista zu Alleinerziehenden wider, die sich seit den 2000er-Jahren nur marginal verändert hat. 2023 standen bundesweit 2.39 Millionen alleinerziehende Mütter 580.000 alleinerziehenden Vätern gegenüber.
Abtreibende Frauen sehen sich Kriminalisierung ausgesetzt
Anlässe für den jährlichen Internationalen Frauentag am 8. März gibt es also zuhauf. Von den erschütternden Zahlen zu Femiziden ganz zu schweigen – im Jahr 2023 wurde laut Bundesinnenministerium und für Heimat fast täglich eine Frau aufgrund ihres Geschlechts umgebracht.
Jüngst beschäftigt hat die Frauen in Deutschland vor allem die Diskussion um die Abschaffung des Paragrafen 218, die seit Jahrzehnten immer wieder neu entflammt. Abtreibung ist in Deutschland rechtswidrig und im Strafgesetzbuch unter den Tötungsdelikten verankert.
Trotzdem bleiben Frauen von einer Bestrafung verschont, wenn sie sich an die Wahrnehmung eines verpflichtenden Beratungstermins halten und der Abbruch innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen erfolgt. Frauen, die abtreiben, sehen sich dennoch einer Kriminalisierung ausgesetzt.
Unter der nun abgewählten Bundesregierung kamen von SPD, Grüne und Linken die Forderung, Abtreibungen zu entkriminalisieren. Dazu hatte sie im März 2023 eine Expertenkommission eingesetzt, die sich für eine Streichung von Paragraf 218 aussprach. Und was sagt die Bevölkerung? Mittlerweile sind laut einer Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 80 Prozent der Bevölkerung für eine Reform des Abtreibungsgesetzes.
Trotzdem: Grund zu Hoffnung
Den Gesetzesentwurf, den die drei Parteien schließlich vorlegten, unterschrieben hunderte Abgeordnete. Die Chancen standen gut für eine Abstimmungsmehrheit noch vor den Neuwahlen und vor einer – damals vermutlich, nun voraussichtlich – konservativeren Regierung. Doch schließlich scheiterte diese Abstimmung an einer anderen: Für die Sondersitzung, die man hinsichtlich einer Abstimmung hätte einberufen müssen, sprach sich keine Mehrheit aus – unter anderem waren Union und FDP dagegen.
Zurück zum Frauentag. Neben den vielen Baustellen, denen am 8. März symbolisch zu Leibe gerückt werden soll, ist der Tag auch ein Feier- und Festtag, da er die bisherigen Errungenschaften der Frauenbewegung würdigt. Und wenn man sich diese anschaut, besteht viel Grund zu Hoffnung.
Text: Marie Ladstätter