Ein Uhu mit seinen zwei Jungen Bild: Vincent Munier
Ein Uhu mit seinen zwei Jungen Bild: Vincent Munier

FILM Der Naturfilmer Vincent Munier sucht „Das Flüstern der Wälder“

Im Grunde ist es nur konsequent. Hatte der französische Wildtierfotograf und Dokumentarfilmer Vincent Munier bei seinem international gefeierten Dokumentarfilm „Der Schneeleopard“ von 2021 noch eines der seltensten Tiere der Welt in einer der abgelegensten Gegenden auf unserem Globus – dem Hochland von Tibet – als Sujet gewählt, so sucht er das Naturabenteuer nun quasi bei sich um die Ecke – in den heimischen Wäldern.


Und er macht noch etwas sehr richtig: Das Ziel sind hier weniger spektakuläre Filmaufnahmen von Tieren – die bekommen wir täglich auf unter­schiedlichen Kanälen im Fernsehen präsentiert –, ­sondern der Versuch, die Faszina­tion des Waldes an sich einzufangen. Geerbt hat ­Vincent Munier die Begeisterung für die Natur von seinem Vater Michel, der schon ­unzählige Stunden in den ­Wäldern der Vogesen zugebracht hat. Nun soll diese Begeisterung auch an Vincents Sohn Simon weitergegeben werden.

Drei Generationen explorieren

Und so sind die drei ­Generationen von Muniers ­zusammen unterwegs in der Natur – oder sie hocken in einer gemütlichen Hütte im Wald, zum Aufwärmen und zum Geschichtenerzählen.

„Das Flüstern der Wälder“ gerät mit seiner tastenden Inszenierung zu einer Schule der Sinne: Schauen und Hören. Denn diese Umgebung drängt sich einem nicht auf, man muss gewissermaßen mit ihr verschmelzen, den Soundtrack des Waldes aufsaugen. Erst dann eröffnet sich einem die Faszination, erkennt man zwischen den Nebel­schwaden einzelne Tiere, versucht anhand von Geräuschen die Gattungen zu deuten. Dafür ist Geduld nötig – bei den Muniers ebenso wie beim Kinozuschauer. Und plötzlich sind sie da: der Uhu, der Hirsch, der Fuchs, die Wildkatze, der Sperlingskauz.

Doch dann holt Vincent Munier wieder seine Suche nach seltenen Tieren ein: Mit seinem Sohn reist er nach Norwegen, um dort den aus den Vogesen verschwundenen Auerhahn zu finden. Dieses Verschwinden ist vor allem für Michel Munier schmerzvoll, hat er doch sehr viel Zeit damit verbracht, dem scheuen Tier nah zu kommen. So ist dieser schöne Film auch mit dem dicken Ausrufezeichen verknüpft, mit der Natur sorgsam umzugehen.

Text: Martin Schwarz

Das Flüstern der Wälder:

F 25, 94 Min., R: Vincent Munier, mit Michel, Vincent & Simon Munier, Kinostart: 19.2.