Ohne Touristen wird’s schnell leer am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Bild: IMAGO / photothek
Ohne Touristen wird’s schnell leer am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Bild: IMAGO / photothek

Weniger Gäste Berlins Besucher- und Übernachtungszahlen sinken weiter. Dabei ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Gründe und Lösungsansätze

Berlin sei arm, aber sexy – dieser legendäre Satz des ehemaligen Bürgermeisters Klaus ­Wowereit prägte jahrzehntelang das Image der Hauptstadt und zog Millionen Besucher an. Doch heute stellt sich die Frage: Wie attraktiv ist Berlin für Touristen eigentlich noch? Die aktuellen Zahlen zeigen einen spürbaren und zudem fortschreitenden Rückgang. 2025 verzeichnete die Stadt 12,4 Millionen Gäste, ein ­Minus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Übernachtungen sanken um 3,8 Prozent auf 29,4 Millionen. Der EM-Effekt 2024 hatte zwar für einen kurzfristigen Boom gesorgt, doch nun wird deutlich: Die Strahlkraft Berlins bröckelt.


Großveranstaltungen als Rettung?

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Wirtschaftliche Unsicherheiten, gestiegene Lebenshaltungskosten und Inflation führen dazu, dass viele Menschen ihre Reisepläne ändern oder ganz auf Reisen verzichten. Zudem belasten Sicherheitsbedenken das Image der Stadt. Auch die zunehmende Touristifizierung mit höheren Preisen und veränderten Kiezen mindert für viele die Attraktivität. Kürzungen im Kulturbereich und strukturelle Probleme wie die ­schwache Fluganbindung verschärfen die Situation noch zusätzlich.

Berlin reagiert mit diversen Strategien, um den Tourismus zu beleben und zugleich stadtverträglich zu gestalten. Die Stadt setzt auch auf digitale Innovationen und gezielte Investitionen. Großveranstaltungen wie die Internationale Luft- und Raumfahrt Messe (ILA), ein nachhaltiges Wassertourismuskonzept und datenbasierte Lösungen sollen die Attraktivität steigern.

Mit dem „Berlin Paper“, einem strategischen Aktionsplan der Tourismus- und Veranstaltungsbranche, und dem im September 2025 gegründeten Berlin Event Board will die Hauptstadt ihre Position als zukunftsfähiger Eventstandort ausbauen. Zudem wird die Zusammenarbeit mit den Bezirken intensiviert, um lokale Kultur und andere Veranstaltungen sichtbar zu ­machen und Besucherströme besser zu ­verteilen. Doch reicht all das, um die einstige Anziehungskraft Berlins, die sich aus einer unverwechselbaren Mischung aus Freiheit, Subkultur und kreativem Chaos speiste, wiederzubeleben?

Neuer Charme gesucht

International zeigt sich, dass Berlin mit ­seinen Problemen nicht allein ist. Auch ­London und New York kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen, während Paris weiterhin Zuwächse verzeichnet. Doch der Rückgang belastet die lokale Wirtschaft Berlins erheblich: Über 224.000 Arbeitsplätze ­hängen direkt vom Tourismus ab. Hotels, Restaurants und der Einzelhandel leiden unter geringeren Auslastungen und einem Mangel an Fachkräften. Auch ­Museen, Stadtführer und Co. sind ganz direkt von der Tourismusflaute betroffen.

Die Zukunft Berlins als Tourismusmagnet hängt davon ab, ob es gelingt, die Stadt als weltoffene, kreative und lebenswerte Metropole neu zu positionieren. Digitale Innovationen und gezielte Investitionen könnten dabei helfen, denn der Mythos „arm, aber sexy“ allein reicht heute nicht mehr aus, um die Besucherzahlen zu halten. Vor allem dann nicht, wenn sich die kreativen Köpfe, die Berlins Charme ausmachten, die eigene Stadt nicht mehr leisten können. Ohne sie erstarrt der einst so ­lebendige Puls der Stadt – und keine noch so kluge Kampagne kann ihn wiederbeleben.