In der Kolumne „Schlager der Woche“ setzen sich unsere Kollegen von Schlager Radio (in Berlin u. a. auf 106,0 UKW) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und interessanten Alltagsbeobachtungen auseinander. Dieses Mal schreibt David Grunwald über das Grundrauschen Berlins.

Berlin ist ein Dauerrauschen. Sirenen, Spätis, Gespräche in fünf Sprachen gleichzeitig  – und irgendwo dazwischen ich, der denkt: Vielleicht mal kurz raus. Also Usedom. Schon die Anreise wirkt wie ein Detox: Die Gedanken werden klarer.


Auf der Insel dann Wind statt WLAN, Möwen statt Mails. Der Strand zieht sich endlos, als hätte jemand vergessen, ihn zu begrenzen. Ich laufe los, ohne Ziel, nur begleitet vom Knirschen des Sands und der Erkenntnis, dass „Nichtstun“ eine echte Fähigkeit ist.

Natürlich versuche ich anfangs noch, „produktiv zu entspannen“. Spaziergang hier, Fischbrötchen da, Sonnenuntergang dokumentieren. Aber Usedom lässt sich nicht optimieren. Es passiert ­einfach. Irgendwann sitze ich nur noch da, schaue aufs Meer und ­denke: Reicht doch.

Zurück in Berlin rauscht alles wieder. Aber etwas bleibt: das Gefühl, dass Stille kein Mangel ist, sondern Luxus.