In der Kolumne „Schlager der Woche“ setzen sich unsere Kollegen von Schlager Radio (in Berlin u. a. auf 106,0 UKW) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und interessanten Alltagsbeobachtungen auseinander. Dieses Mal schreibt David Grunwald über nervige Links-Steher.

In Berlin gibt es viele unausgesprochene Regeln. Eine der heiligsten: Auf der ­Rolltreppe wird rechts gestanden und links gegangen. Eigentlich ­simpel. Eigentlich. Denn ­irgendwo zwischen Alexanderplatz und ­Hermannstraße lauern sie: die Links-­Steher. Menschen, die sich demonstrativ auf die Überholspur stellen, als hätten sie gerade einen Mietvertrag für diesen halben Meter abgeschlossen.


„Dann nimm doch die ­Treppe“, höre ich schon die tiefenentspannten Großstadt-Gurus murmeln. Aber nein. Die ­Rolltreppe ist kein Wellness­bereich, sie ist Verkehrsinfrastruktur! In einer Stadt, in der alle immer irgendwo hin müssen (oder so tun), ist Zeit schließlich die inoffizielle Währung.

Und während unten die U-Bahn einfährt, steht oben jemand ­seelenruhig links und checkt Nachrichten. Berlin in einem Bild: Eile trifft Gleichgültigkeit. Und irgendwo dazwischen s­tehe ich, innerlich hupend.