In der Kolumne „Schlager der Woche“ setzen sich unsere Kollegen von Schlager Radio (in Berlin u. a. auf 106,0 UKW) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und interessanten Alltagsbeobachtungen auseinander. Dieses Mal schreibt Kathleen Fengler über den nie endenden Baustellenlärm in Berlin.

Seit fünf Jahren ist neben meinem Büro dieselbe Baustelle. Ich schreibe ­„dieselbe“, denn langsam glaube ich, sie wird gar nicht ­fertig. Wahrscheinlich restaurieren sie dort gar kein Haus, sondern ein Denkmal für Geduld.


Pünktlich um 7 Uhr beginnt das tägliche Konzert: Hämmern als Solist, die Flex als schriller Chor und zwischendurch das metallische Klirren, das durch Mark und Bein geht. Wer braucht ­Vogelgezwitscher, wenn Stahl auf Stahl trifft? Telefonate werden zum Ratespiel. „Könnten Sie das bitte wiederholen?“, höre ich öfter als meinen eigenen Namen. Videokonferenzen wirken, als säße ich mitten in einer Werkhalle.

Inzwischen erschrecke ich mich nicht mehr über Krach, sondern über Stille. Wenn zehn Minuten nichts zu hören ist, frage ich mich besorgt, ob den Handwerkern das Material ausgegangen ist. Bis dahin bleibt die Baustelle mein lautester Kollege, zuverlässig, ausdauernd und niemals im Homeoffice.