Seit Anfang Januar 2026 gibt es viele neue Radiosender in Berlin und auch in Brandenburg, auf UKW-Frequenzen und im Netz
Berlin ist der am härtesten umkämpfte Radiomarkt des Landes. Das war schon 1987 so, als der Regisseur und Medienunternehmer Ulrich Schamoni seinen Sender Hundert,6 gründete (Spitzname „Betonradio“, da dies viel von den örtlichen Baulöwen unterstützt wurde) – und zieht sich bis heute hin. Zum Jahresanfang hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) nun gleich vier neuen Programmen eine Sendelizenz für den UKW-Funk erteilt.
Der wichtigste Neuzugang
Der dürfte das bereits über DAB+ und Webstream bekannte ByteFM sein. Schon seit 15 Jahren präsentiert man hier einen musikalischen Mix aus Mainstream-Rock, Blues, Elektro, Hip-Hop, Jazz bis hin zu klassischer Musik, nun auf der UKW-Frequenz 88,4 MHz. Gegründet wurde ByteFM von dem Hamburger Musikjournalisten Ruben Jonas Schnell und hat immerhin schon einen Grimme-Online-Preis und den Medienpreis LeadAward gewonnen.
Im Programm verzichtet man bisher auf Werbung und finanziert sich über einen Verein, der inzwischen eine fünfstellige Mitgliederzahl hat. Besonders pikant: Radioeins vom RBB, der Sender, gegen den ByteFM am stärksten in Konkurrenz gehen wird, hat zum Jahresende viele Moderatoren seiner Musikspecials in die Rente geschickt. Ab Januar bekommen altgediente Recken wie Johannes Paetzold (Weltmusik mit „Planet Fruit“) und Christine Heise (Americana mit „HappySad“) eigene Sendungen auf ByteFM.
Jazz geht’s los
Etwas verwirrend wird es, wenn es um die Musikfarbe Jazz geht, denn der Sender JazzRadio hat es schlicht versäumt, sich um eine Frequenz zu bewerben. Jetzt nennt jazz FM sich Ella (mach der großen Ella Fitzgerald) und hat die alte Frequenz zeitweise übernommen. Ab Januar wird Ella auf 91,0 MHz (in Potsdam auf 90,7 MHz) zu hören sein.
Auf der alten Frequenz von JazzRadio, 106,8 MHz, wird es dagegen in Zukunft ordentlich rumsen: Hier startet pure fm, ein Sender, auf dem ausdrücklich ausschließlich elektronische Musik und Techno laufen wird. Der Medienrat der mabb erhofft sich davon „einen zusätzlichen und passenden Vielfaltgewinn für das Musikangebot im Raum Berlin und im Umland“.
Auf der Frequenz 104,1 MHz läuft künftig – allerdings erst ab dem Frühsommer – Radio Orient, das sich am Menschen mit Migrationshintergrund aus dem arabischen, persischen und kurdischen Raum wendet.
Nicht nur im Äther, auch im Netz
Aber auch bei DAB+ kommen neue Angebote dazu: Metropol FM wird sich – ähnlich wie Radio Orient – an türkischstämmige Berliner wenden, FG Chic kapriziert sich auf House und artverwandte Musik, vieles davon aus dem französischsprachigen Bereich. Und mit dem Nachrichtenkanal von Nius gibt es in Zukunft ein Angebot des äußerst streitbaren Julian Reichelt, ehemals Chefredakteur der „Bild“-Zeitung.
Darüber hinaus werden auch die etablierten DAB+-Kanäle immer wieder erweitert. So kann man über Kanal 5c (Bundesmux) fast alle bundesweiten Sender streamen. Und im Kanal 7b (regionaler Privatmux) empfängt man lokale Programme wie das oben erwähnte alte JazzRadio, das seine UKW-Frequenz verloren hat.
Text: Lutz Göllner



