Letzte Woche begann die Fußball-WM. Auch ohne Fanmeile am Brandenburger Tor finden Fans viele Orte fürs Public Viewing.
Tiergarten: Für den Koalitions-Kick Wenn’s mal wieder in der Koalition kracht, könnte Friedrich Merz seine Richtlinienkompetenz zum Zollpackhof lenken. Direkt im Regierungsviertel mit Blick auf sein Bundeskanzleramt würde er sich mit frisch gezapften Augustiner auf Ballhöhe runterkühlen. Bringt er Lars Klingbeil, Bärbel Bas und fünf weitere Regierungsmitglieder mit und reserviert im vorhinein, kann er sich zwischen zwei Kombipaketen entscheiden. „Reindl“, unter anderem mit Schweinshaxe, Nürnberger und Kartoffelknödel, oder „Brotzeit“ mit Obazda, Schinken und Eiern. Gegen die Nervosität gibt’s bei beiden Paketen zehn Maß Augustiner dazu.
Zollpackhof, Elisabeth-Abegg-Str. 1, Tiergarten, www.zollpackhof.net
Tempelhof: Für spielfreudige Familien Pünktlich zur WM kommt der Biergarten Neulich am Tempelhofer Feld wieder und bietet Streetfood aus aller Welt an. Gerade für fußballbegeisterte Familien eignet sich das Neulich hervorragend: Im Kids Corner können sich die Kleinen im Sandkasten, im Bällebad und im Spielverleih austoben. Das Highlight ist der kostenlose Skateboard-Verleih. Dazu gibt es eine Bandbreite internationaler Streetfood-Spezialitäten, DJs vor den Spielen und – natürlich – frischgezapftes Bier. Wenn Kinder also keine 90 Minuten Spiel aushalten, können sie sich hier ausgiebig beschäftigen. Der ruhige Spielverlauf ist – je nach Spielausgang – gesichert.
Neulich Biergarten, Am THF-Tower, Tempelhofer Damm 45, Tempelhof, www.thf-berlin.de
Kreuzberg: Für Craft-Protze Wer am dritten Spieltag schon kein Pilsener mehr sehen kann, findet die ganze Bier-Bandbreite im Park am Gleisdreieck. Wie auch 2025 zur Frauen-EM erweitert das Brlo Brwhouse seinen Biergarten um einen großen Bildschirm zum Fußi-Gucken. Vom Fass gibt es zwölf verschiedene Craftbeere. In sogenannten „Hoptails“, also Cocktails mit Bier, werden diese nochmal um weitere Zutaten ergänzt. Dazu gibt es leckere Gerichte zum Snacken oder Hungerstillen. Handelfmeter anzweifeln mit einem IPA in der Hand: Das hat schon viel Klasse. Mit dem zweiten Bier sieht man dann besser.
Brlo Brwhouse, Schöneberger Str. 16, Kreuzberg, www.brlo.de
Friedrichshain: Für Nagelsmänner und Beckenbauer Wenn das Fachmagazin „11 Freunde“ zum Fußballschauen einlädt, kommt wahre Fußballexpertise zusammen. Erneut schlagen die Fußball-Fachkräfte mit dem weltbesten Live-Ticker ihr Quartier im Astra-Kulturhaus auf. Biergarten, Fingerfood und eine Menge Fachsimpelei stehen hier auf der Agenda. Jegliche Form von Kaderdiskussionen, Ärger über Nagelsmann oder Idealisierungen der 1990er-Mannschaft unter Beckenbauer sind hier herzlich willkommen.
Astra Kulturhaus, Revaler Straße 99, Friedrichshain, www.11freunde.de
Friedrichshain: Für Paarkonstellationen Bock auf das Spiel, aber ‘ne Begleitung im Schlepptau, die absolut gar nix mit Fußball anfangen kann? Dann macht ein Ausflug ins Maaya, ehemals Haubentaucher, auf dem RAW-Gelände Sinn. Während die eine Seite das Spiel guckt, kann die andere am 240 Quadratmeter großen Swimming Pool mit Blick auf die Leinwand entspannen. Wer kann da noch schlechte Laune haben?
Maaya Berlin, RAW-Gelände, Revaler Str. 99, Friedrichshain, www.maaya.de
Neukölln: Für Strandfußballer Der größte Public-Viewing-Hotspot des Berliner Südens liegt am Beach Neukölln. Wer sich die völlig überteuerten Tickets für die WM nicht leisten wollte – vom Flug ganz abgesehen –, kriegt zumindest hier ein wenig Mexiko-Feeling. Geschaut wird auf zwei großen LED-Screens. Gesessen wird auf Liegestühlen und mit Füßen im Sand. Getrunken wird Bier aus der hauseigenen Brauerei oder zum Sommer passende Cocktails. Gegessen werden Snacks und Streetfood. Gejubelt wird hoffentlich im Kollektiv, ansonsten geweint.
Beach Neukölln, Treptower Str. 39, Neukölln, www.beach-neukoelln.de
Schöneberg: Für ehrliches Mitfiebern Genauso wie der Spielaufbau darf auch die Ortswahl des Public Viewings nicht zu kompliziert sein. Im Einfachen liegt die Kraft. Ein ehrlicher Biergarten mit einer guten Bandbreite an Speisen, gezapften Bier und genügend Plätzen für den ganzen Fanclub sorgt bereits für einen hervorragenden Fußballabend. Naumanns Biergarten am Südkreuz ist was für ehrliche Schöneberger. Wenn die Mannschaft es auch endlich mal wieder über die Gruppenphase hinaus schafft, kann man hierher viele Male hin zurückkehren. Alle Spiele ohne deutsche Beteiligung werden aber natürlich auch gezeigt.
Naumanns Biergarten, Wilhelm-Kabus-Straße 70 / Haus Nr. 24, Schöneberg, www.naumanns.berlin.de
Schöneberg: Für Orgelfans Wenn Stephan Graf von Bothmer in der Zwölf Apostel Kirche hinter der Orgel sitzt und durch seine Kunst den Fußball kommentiert, lassen wir das Spiel gerne weiterlaufen. Dabei spielt der Pianist nicht die deutsche Nationalhymne auf Dauerschleife, sondern untermalt passend zum Spielgeschehen. Tragische Musik bei Gegentoren, dramatische bei einem Angriff, ekstatische bei einem Treffer. Tausende besuchten 2024 seine Shows, sogar die „New York Times“ berichtete. Der Eintritt ist kostenlos.
Zwölf-Apostel-Kirche An der Apostelkirche 1, Schöneberg, www.stummfilmkonzerte.de
Köpenick: Für Nassmacher Auf großer LED-Leinwand und mit Blick auf die Dahme können die Köpenicker alle deutschen Spiele schauen. Dazu gibt es tschechisches Bier und (hoffentlich) traumhaftes Wetter. Je nach Ausgang der Spiele kann im Anschluss aus Frust oder aus schierer Freude ins Wasser gesprungen werden. Mit und ohne Ball.
Strandbad Wendenschloss Möllhausen-ufer 30, Köpenick, www.strandbad-wendenschloss.berlin.de
Baumschulenweg: Für italienische Momente Auch der Süden der Stadt öffnet den Blick gen WM. Im Revier Südost in Baumschulenweg, besser gesagt im Baergarten, gibt es kühles Bier, einen Open-Air- sowie Innenbereich und – das Highlight – fantastische neapolitanische Pizza. Die hilft auch gegen den Italien-Verlustschmerz. Die Squadra Azzurra hat es bekanntlich wieder nicht zur WM geschafft. Der Baergarten überträgt nur die Deutschlandspiele. Wenn’s gut läuft also acht Partien.
Baergarten Revier Südost, Schnellerstr. 137, Baumschulenweg, www.reviersuedost.de
Mitte: Für VAR-scheinlichkeiten Am Potsdamer Platz im einstigen Sony Center werden alle Zuschauer zum VAR: Bei einer 100 Quadratmeter großen Leinwand erkennt man jeden Zentimeter Abseits. Deutschlands größte 3D-LED-Leinwand überträgt das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika, alle deutschen Spiele, die Halbfinals und natürlich das Finale. Gerade bei schlechtem Wetter hat man hier die beste überdachte Stimmung. So werden zumindest dem Anschein nach Sommer-WM-Vibes bewahrt.
Center am Potsdamer Platz, Potsdamer Str. 2, Mitte, www.das-center-am-potsdamer-platz.de
Hakenfelde: Für Fluss-Ball-Fans Endlich ist er geöffnet: Der Biergarten Eiswerder auf der Spandauer Insel feiert seinen ersten Sommer und nimmt im selben Zuge die WM mit. Es ist jetzt schon ein Lieblingsort der Redaktion und wie für den Fußballsommer gemacht. Mit Blick auf die Havel, leichtem Sonnenbrand und einem kühlen Blonden in der Hand lässt es sich doch herrlich anfeuern. Bei der traumhaften Kulisse wäre es kein Wunder, wenn sich hier nicht nur viele Spandauer einfinden.
Biergarten Eiswerder, Eiswerderstr., Hakenfelde, www.biergarten-eiswerder.de
Text: Luca Heinze
