MEDIATHEKEN-TIPP Die Reportagenserie „Der Anschlag“ behandelt das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz
Am 19. Dezember 2016 steuerte der islamistische Attentäter Anis Amri einen gestohlenen Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. 13 Menschen starben, 67 weitere Besucher wurden zum Teil schwer verletzt. Doch sowohl die Vorgeschichte als auch die Aufarbeitung und erst recht der Umgang mit den Opfern waren nicht gerade ein Ruhmesblatt für die deutschen Behörden. Die Regisseurin Astrid Schult hat dazu eine bewegende fünfteilige Serie vorgelegt.
In den einzelnen Kapiteln geht es um die Vorgeschichte, die Durchführung des Attentats und die Ermittlungsfehler nahezu aller beteiligter Behörden. Einen besonderen Schwerpunkt legt Schult auf die Opfer des Anschlags, die mit ihren Traumata alleine gelassen wurden und die hier erstmals seit neun Jahren eine Stimme bekommen.
Da ist etwa der tschechische Wissenschaftler Petr Cizmar, der seine Frau verlor und jetzt alleinerziehender Vater ist, die Studentin Shufan Huo, die der Amokfahrt knapp entkam, aber mit dem Trauma leben muss, und Astrid Passin, in deren Marktstand der LKW ungebremst hineinfuhr. Zu Wort kommt auch der italienische Staatsanwalt Alberto Nobili, der seit 2011 vor dem Algerier Amri warnte.
Die Vermutung geht Richtung Geheimdienst
Besonders empörend ist die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Opfer in den Folgejahren behandelt wurden: Frau Passin etwa bekam nach dem Mord die Rechnung der Pathologie der Charité. Die Angehörige Giovanna di Lorenzo bekam zwar zwei Jahre nach dem Anschlag eine Audienz bei Bundeskanzlerin Merkel, aber keinerlei Unterstützung.
Und selbst der Untersuchungsausschuss im Bundestag bekam nicht alle Dokumente von der Bundesregierung zu sehen. Viele Fragen – selbst die, ob Amri Alleintäter gewesen ist – sind immer noch offen. Stefan Aust vermutet, dass Amri Quelle für diverse Geheimdienste war und man sein Attentat billigend in Kauf nahm.
Selbst bei der Gestaltung des Mahnmals auf den Stufen der Gedächtniskirche wurden Betroffene und Opfer ignoriert: Nicht ein Wort dazu, dass der Täter Anis Amri Islamist war. Hinterbliebene und Opfer kritisieren das Mahnmal, weil es zu abstrakt ist und nicht berührt.
Dafür gibt es nun diese Serie.
Text: Lutz Göllner
Der Anschlag D 2025, Regie: Astrid Schult, 5 Episoden à 30 Minuten
Hier anschauen: www.3sat.de/film/der-anschlag

