DOKU „Denn dieses Leben lebst nur du“
Es klingt banal. Der entscheidende Unterschied zwischen einem Dokumentar- und einem Spielfilm: Der Dokumentarfilmer hat es mit echten Menschen und Schicksalen zu tun, da ist mitunter Sensibilität vonnöten, auch bei der Filmkritik. Der Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger ist ein Hüne von einem Kerl – und sympathisch. Vielleicht brauchte es diesen einfühlsamen Mann, damit sich die Protagonisten in seinem Film so öffnen konnten wie sie es in „Denn dieses Leben lebst nur du“ getan haben.
Wir tauchen ein in die Welt von Melina, Dunja, Gabriel und Elisabeth. Was sie verbindet: Sie sind im falschen Körper geboren und haben sich nach einer Leidensodyssee dazu entschlossen, ihr Äußeres dem inneren Gefühl anzupassen. Während Dunja und Melina als Jungen auf die Welt kamen und nun als Frauen leben, war es bei Gabriel umgekehrt; Elisabeth hingegen ist intersexuell – sie kam mit zwei Geschlechtsorganen zur Welt und lebt nun als Frau.
Abseits der Großstadt herrscht Intoleranz
Wolfsperger gibt seinen „Stars“ viel Raum, von ihrem Werden und ihrem Sein zu erzählen: von den Depressionen, dem Kampf mit der eigenen Identität, den schmerzhaften Operationen, von früheren Beziehungen. Sie erzählen aber auch von ihrer Umgebung. Denn die vier leben in der südwestdeutschen, katholisch geprägten Provinz am Bodensee – Wolfsperger ist hier aufgewachsen. Auf dem Land gibt es eine starke soziale Kontrolle, weit weg von einer anonymen Großstadt. Und da stießen und stoßen die vier auf viel Intoleranz.
Es ist eine Freude zu sehen, wie offen die vier erzählen, wie gut es ihnen im jetzt passenden Körper geht. So ist dieser Film nicht nur ein zu Herzen gehendes Personenporträt, sondern auch ein Statement für Toleranz und Offenheit gegenüber den Bedürfnissen unserer Mitmenschen.
Denn dieses Leben lebst nur du D 2025, 80 Min., R: Douglas Wolfsperger, Start: 16.4.
Text: Martin Schwarz

