
Am Anfang dürfen sie sich noch frei bewegen: Angela (Olivia Wilde) geht einkaufen, Joe (Seth Rogen) wie immer missmutig seinem Job als Dozent in einer Musikhochschule nach. Doch dann müssen beide zurück in ihre Ehehölle in einem sehr großen Apartment. Schon geht die Angifterei los, verstärkt durch Joes ewige Rückenschmerzen und die Nachricht, dass Angela ohne seine Einwilligung das neue Nachbarpaar zum Abendessen eingeladen hat. Darin sieht ihr Mann die Gelegenheit, sich bei den beiden über den nächtlichen Lärm zu beschweren, ausgelöst durch offenbar höchst befriedigenden Sex.
Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) kennen sich seit einem Jahr und entpuppen sich als echte, eloquente Freigeister. Hier die gebürtige Spanierin, eine Psycho- und Sexualtherapeutin, da der Feuerwehrmann im Ruhestand. Beide lebenserfahren und sensibel, wenn es um das Innenleben anderer geht. So merkt das etwas ältere Paar recht schnell, dass die Beziehung von Angela und Joe im Argen liegt. Der Dozent weint immer noch seiner verpassten Karriere als Popmusiker hinterher, seine Frau versucht ihren Frust durch perfektes Einrichten des Apartments und anderen Schnickschnack zu übertünchen. Schließlich stellt sich heraus, dass Pina und Hawk mit einem Hintergedanken zum Dinner gekommen sind. Und der hat sehr viel mit Sex zu tun …
Die Situation erinnert an Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ nach dem Theaterstück von Yasmina Reza: Zwei Paare treffen sich in einer Wohnung, die der einzige Schauplatz bleiben wird. Allerdings geht es hier nicht um die Kinder, sondern um die Paare selbst und den Zustand ihrer Beziehung. Und da lässt es Regisseurin und Hauptdarstellerin Olivia Wilde – sie sorgte 2019 mit ihrem cleveren Regiedebüt „Booksmart“ für Aufsehen – gehörig krachen. Basierend auf einem spanischen Theaterstück und Film bietet das Drehbuch von Rashida Jones und Will McCormack jede Menge Zündstoff mit Dialogen voller Pointen und verbalen Faustschlägen.
Was den Film von anderen Stoffen dieser Art abhebt, sind vor allem die Darsteller. Man spürt in jeder Sekunde, wie sehr die Könner Penélope Cruz, Edward Norton, Seth Rogen und Olivia Wilde in dem chronologisch und auf 35mm gedrehten Film aufgehen. Olivia Wilde heißt eigentlich Jane Cockburn und wählte ihren Künstlernamen nach dem scharfzüngigen, irischen Schriftsteller Oscar Wilde. Diese Namenswahl sagt eigentlich alles.
The Invite USA 2026, 107 Min., R: Olivia Wilde, D: Penélope Cruz, Edward Norton, Seth Rogen und Olivia Wilde, Kinostart: 30. Juli 2026

