
POLITIK Kein Bargeld dabei? Kein Problem mehr: Neue Regeln für Gastro und Co. sollen ab 2027 Steuerbetrügern das Handwerk legen und für das Ende von „Cash-only“ sorgen
Die Rechnung kommt, die Geldbörse ist fast leer. „Kann ich mit Karte zahlen?“ Die Antwort: „Nur bar.“ Oder der andere Klassiker, nicht nur in Berlin: „Unser Terminal ist leider defekt.“ Solche Szenen kennt fast jeder. Doch bald könnte Schluss damit sein: Das Bundesfinanzministerium plant, „Cash-only“ zu verbieten. Ab dem kommenden Jahr sollen Geschäfte, Restaurants und Dienstleister mindestens eine digitale Bezahloption anbieten müssen, ohne Zusatzgebühren für Kunden. Dabei wichtig: Bargeld soll weiterhin erlaubt sein, um die Wahlfreiheit zu wahren.
Was geplant ist
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat bereits Eckpunkte vorgelegt. Das Kernziel: Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Finanzkriminalität erschweren. Denn digitale Zahlungen hinterlassen eine Spur, sie sind dokumentiert und lassen sich leichter nachvollziehen als Bargeldtransaktionen. Laut Schätzungen der Deutschen Steuer-Gewerkschaft entgehen dem Staat jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro durch Manipulationen an Bargeldkassen, besonders in Branchen mit vielen Barzahlungen wie der Gastronomie.
Die Regelung soll für Handel, Gastronomie und Dienstleistungssektor gelten. Welches digitale Verfahren angeboten wird, egal ob Girocard, Kreditkarte oder mobiles Bezahlen per Smartphone, bleibt den Unternehmen überlassen. Eine Bedingung gibt es: Mindestens ein europäisches Bezahlverfahren muss akzeptiert werden. Bestimmte Umsatzgrenzen oder Mindestbeträge für Kartenzahlungen sind nicht vorgesehen.
Nicht alle sollen sich an die neue Regel halten müssen: Nichtkommerzielle Organisationen wie kleine Sportvereine oder Wohltätigkeitsverbände bleiben ausgenommen. Auch bei Dorffesten oder Flohmärkten darf weiterhin nur Bargeld akzeptiert werden. Zudem prüft das Ministerium noch, ob Härtefallregelungen für kleine Betriebe nötig sind.
Trend zur Kartenzahlung
Der Trend geht klar zur Kartenzahlung: Laut Handelsforschungsinstitut EHI entfielen 2025 rund 65 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel auf Kartenzahlungen, nur noch 32 Prozent auf Bargeld. Bei der Zahl der Transaktionen lag Bargeld mit etwa 50 Prozent noch knapp vor der Karte (knapp 48 Prozent). Doch der Abstand wird immer kleiner, auch weil immer mehr Kunden mit Smartphone oder Smartwatch bezahlen.
Dennoch stoßen die Pläne auch auf Widerstand: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und der Handelsverband Deutschland (HDE) warnen vor zusätzlicher Bürokratie und Kosten. Die Transaktionsgebühren würden vor allem besonders kleine und mittlere Betriebe belasten, da sie sich prozentual am Zahlungsbetrag bemessen. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke betont zwar, dass digitale Zahlungsmöglichkeiten längst Standard seien, warnt aber: „Vor allem kleine und mittlere Betriebe benötigen ausreichende Übergangsregelungen.“
Kai Hudetz vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sieht die Pläne positiv. Laut ihm werden bargeldlose Bezahlmöglichkeiten inzwischen von vielen Konsumenten als Standard erwartet. Er betont: „Bargeld bleibt für bestimmte Gruppen wichtig. Insofern macht die Wahlfreiheit absolut Sinn.“ Auch in der Bevölkerung stoßen die Pläne auf Zustimmung, denn viele haben bereits erlebt, dass sie ohne Bargeld dastehen. Sei es beim Spätkauf, im Café nebenan oder im Restaurant.
Der Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr vom Kabinett beschlossen werden. Die Umsetzung ist für 2027 geplant.

