
Die Vorbereitungen laufen planmäßig, doch Stephan Bröchler bleibt wachsam. Der Landeswahlleiter über die Vorbereitungen und Besonderheiten zur Berlin-Wahl 2026
Am 20. September 2026 finden in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Im Interview erklärt Landeswahlleiter Stephan Bröchler, Jahrgang 1962, wie die Vorbereitungen verlaufen, welche Herausforderungen es gibt und warum jede Stimme zählt.
Herr Bröchler, wie laufen die Vorbereitungen für die Berliner Wahlen 2026?
Bröchler: Gefühlsmäßig sind wir im Halbfinale, das Endspiel ist der Wahlsonntag. Die organisatorischen Voraussetzungen sind weit vorangeschritten, und wir liegen im Zeitplan. Natürlich bleibt eine gewisse Anspannung, aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Wahl gut organisieren werden, wie bei den letzten Wahlen auch.
Gibt es besondere Herausforderungen?
Eine große Herausforderung ist die mögliche Verbreitung von Fake News, insbesondere über Social Media, oder Angriffe auf die Infrastruktur, wie die Verfahren zur Stimmenauszählung. Berlin ist als Schaufenster der Republik besonders exponiert. Wir sind wachsam, aber nicht ängstlich. Zudem gibt es Neuerungen, die ich begrüße: Der Stimmzettel für die Wahl zum Abgeordnetenhaus wurde von zwei auf einen Zettel reduziert. Das spart Papier und macht die Wahl übersichtlicher. Auch die Schulung der Wahlhelfer und Wahlhelferinnen wurde verbessert: Es gibt jetzt eine Online-Schulung mit Selbsttests.
„Jede Stimme stärkt unsere Demokratie“
Wie gehen Sie gegen Fake News und Einflussnahme von außen vor?
Wir bereiten uns darauf vor, schnell auf Fake News zu reagieren. Die Verfahren werden geprüft und getestet. Mehr kann ich aktuell nicht verraten, um keine Angriffsfläche zu bieten. Wichtig ist: Wir handeln transparent. Wenn Fehler passieren, kommunizieren wir sie offen und zeigen, wie wir sie lösen.
Haben sich schon genügend Wahlhelferinnen und Wahlhelfer gefunden?
Aktuell haben wir nahezu 90 Prozent der benötigten Wahlhelfenden. Sollten kurzfristig Lücken auftreten, appelliere ich an die Berlinerinnen und Berliner. Die Bereitschaft, die Berliner Demokratie zu unterstützen, ist groß: Innerhalb von sechs Wochen meldeten sich Tausende Freiwillige!
Welche Lehren ziehen Sie aus vergangenen Wahlen?
Kommunikation ist entscheidend, einerseits zwischen Landes- und Bezirkswahlleitungen, aber auch nach außen. Früher wurden Probleme manchmal unter den Teppich gekehrt. Heute benennen wir sie offen und lösen sie gemeinsam. Zudem haben wir die Zusammenarbeit mit Behörden wie dem ITDZ (IT-Dienstleistungszentrum Berlin, Anm. d. Red.) oder dem Innensenat intensiviert. Die Papierbeschaffung, früher ein Problem durch den Krieg in der Ukraine, ist diesmal gesichert.
Probleme offen benennen – wie sorgen Sie sonst noch für Transparenz und Nachvollziehbarkeit?
Bröchler: Viele Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, wie Wahlen organisiert werden. In Videopodcasts mit Berichten von Wahlhelfenden oder Erklärungen zu bestimmten Wahlabläufen machen wir die Prozesse von der Stimmabgabe bis zur Wahlprüfung verständlich. Demokratie lebt davon, dass Menschen ihr Wahlrecht nutzen. Wir arbeiten auch mit dem Verband für Sehbehinderte und Blinde zusammen, um die Stimmabgabe zu erleichtern.
Gibt es neben der Neugestaltung der Wahlzettel weitere Neuerungen bei der Wahl in diesem Jahr?
Zum ersten Mal dürfen stimmberechtigte Berlinerinnen und Berlin mit Vollendung des 16. Lebensjahres an der Wahl zum Abgeordnetenhaus teilnehmen. Eine weitere Neuerung ist, dass die Wahlbenachrichtigungen vereinfacht wurden: weniger Text, mehr Klarheit. Zudem setzen wir auf Öffentlichkeitsarbeit. Prominente wie Schauspieler Ulrich Matthes oder Deborah Hartmann, die Leiterin der Gedenkstätte Wannsee-Konferenz, werben für die Wahl.
Macht der Trend zur Briefwahl Ihr Leben leichter oder schwerer?
Der Trend zur Briefwahl ist nicht mehr aufzuhalten. Bei der letzten Bundestagswahl machte die Briefwahl in einem Bezirk sogar rund 51 Prozent aus. Ich persönlich bin aber überzeugter Urnenwähler. Der Besuch im Wahllokal, das Erleben von Demokratie, ist für mich etwas Besonderes. Aber beide Formen sind gleichrangig. Bei der Briefwahl müssen Wählerinnen und Wähler die Zustellzeiten für die Briefwahlunterlagen beachten. Die beantragten Briefwahlunterlagen werden ab dem 41. Tag vor der Wahl (10. August) versandt. Die ausgefüllten Briewahlunterlagen müssen bis spätestens zum Wahltag 20. September 2026 18 Uhr beim zuständigen Bezirkswahlamt eintreffen, um berücksichtigt zu werden. Ich empfehle nachdrücklich, die roten Wahlbriefe frühzeitig in die Post zu geben.
Ihr Appell an die Berlinerinnen und Berliner?
Gehen Sie wählen! Nutzen Sie Ihr demokratisches Privileg, auch wenn keine Partei perfekt zu Ihnen passt. Jede Stimme stärkt unsere Demokratie, besonders in unsicheren Zeiten. Wahlen sind ein Mechanismus, um Regierungsmehrheiten zu ändern, nicht um Macht zu zementieren.
Alle Infos samt Fragen und Antworten zur Berlin-Wahl 2026:
www.berlin.de/wahlen/wahlen/berliner-wahlen-2026
Noch 1500 Wahlhelfer:innen gesucht
Derzeit werden noch rund 1500 Wahlhelfer:innen in ganz Berlin gesucht. In welchen Bezirken genau, und wie Sie sich auch dafür bewerben können, erfahren Sie hier:
www.berlin.de/wahlen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1686958.php
Interview: Sascha Uhlig


