Live-Musik vor dem Späti um die Ecke: Berlin feiert die Fête de la Musique. Bild: IMAGO / Jürgen Held
Live-Musik vor dem Späti um die Ecke: Berlin feiert die Fête de la Musique. Bild: IMAGO / Jürgen Held

Die Fête de la Musique ist das größte Musikfest der Welt. Auch in Berlin gibt es am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, wieder Konzerte an (fast) jeder Ecke.

Die ganze Stadt eine Bühne, Berlin ein großes Festival. Der längste Tag des Jahres verspricht jedes Jahr Konzerte und Kreativität an jeder Ecke. Ob im Park, am Baudenkmal oder im Friseursalon: Die Menschen tanzen, trommeln, trinken, trällern, tauschen sich aus.


„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, schrieb Nietzsche in der „Götzen-Dämmerung“. Töne verbinden, prägen Städte und Menschen. 1981 initiierte der damalige französische Kulturminister Jack Lang in Paris die erste Fête de la Musique. Heute feiern über 1.000 Städte weltweit am 21. Juni das größte Musikfest der Welt.

Bands, Ensembles und Chöre

Das Konzept ist simpel: Künstler:innen, Bands, Ensembles und Chöre können sich einfach anmelden und Teil des umfangreichen Programms werden. Bei den Locations läuft es genauso. Jeder Ort kann zur Bühne werden, ohne komplizierte Genehmigungen oder andere Hürden. Es geht um die Ideen und die Freiheit, diese umzusetzen.

Jedes Jahr steht ein Partnerbezirk im Fokus, 2026 ist Reinickendorf dran. Der Nordwest-Berliner Bezirk bietet von Schloss Tegel über Frohnau bis Lübars Sehenswürdigkeiten und Auftrittsmöglichkeiten zwischen Wald und Wasser. Und natürlich das Märkische Viertel, Geburtsort des Berliner Deutschraps, wo Sido seinen Klassiker „Mein Block“ schrieb.

Berlin ist eben nicht nur Kreuzberg und Mitte. Entsprechend vielfältig sind die Auftritte. Wer mit offenen Ohren durch Berlin spaziert, hört klassische Musik in Biergärten, Hardcore-Punk in Kirchen und HipHop in Gemeindezentren. Immer wieder nutzen auch berühmte Acts die Gelegenheit, um sich mit einem kostenlosen Konzert unter freiem Himmel unter die Fans zu mischen. Auch einige große Clubs ziehen mit und öffnen die Türen, ohne Eintritt zu verlangen.

Wer jedoch nur nach Superstars und der kostenlosen Party im Club des Vertrauens sucht, wird viel verpassen. Am schönsten sind die Zufallsbegegnungen mit der Musik, mit den Lieblingsbands von Morgen, die man ohne einen ungeplanten Zwischenstopp niemals kennengelernt hätte. Ein Highlight ist die French Night in der Kulturbrauerei. Unter dem Motto „Nous aimons la musique“, also „Wir lieben die Musik!“, präsentieren das Centre national de la musique, die Fête de la Musique und das Kesselhaus beim offiziellen Abschlussevent aktuelle und innovative Sounds aus Frankreich. Natürlich auch kostenlos.

Experimentelles aus Frankreich

In diesem Jahr mit dabei: die junge Künstlerin Brö, die akustische und elektronische Elemente verbindet und daraus einen ganz eigenen Stil aus Indie, Nouvelle Variété und experimentellem Pop schafft. Außerdem steht Okali auf der Bühne, ein französisch-kamerunisches Duo, bestehend aus Sängerin Gaëlle Minali-Bella und Multiinstrumentalist Florent Sorin. Ihr hypnotischer Musikstil aus spirituellem Trip-Hop, warmen Soul, traditionellen kamerunischen Rhythmen und atmosphärischen Klanglandschaften entfaltet eine hypnotische Wirkung. Viele Eindrücke für eine Nacht, vor allem wenn man den ganzen Tag schon in die bunte Musiklandschaft der Stadt eingetaucht ist. Schöner geht es kaum.

Übrigens: Anlässlich der Fête de la Musique findet am Sonntag, den 21. Juni, in Berlin ein stadtweiter verkaufsoffener Sonntag statt. Die Geschäfte dürfen in der Zeit von 13 bis 20 Uhr öffnen. (tip/red)

Das ganze Programm gibt’s online unter:
www.fetedelamusique.de