Berlin ist eine medizinische Metropole. Und doch wird es für immer mehr Menschen schwieriger, überhaupt noch verlässlich versorgt zu werden. Wer heute einen Facharzttermin sucht, wer abends in die Notaufnahme kommt oder morgens einen Rettungswagen braucht, merkt schnell: Das System funktioniert nicht mehr selbstverständlich.
Was wir gerade erleben, ist kein plötzlicher Kollaps, sondern ein schleichender Verlust: Strukturen werden dünner, Wege länger, Wartezeiten härter – und am Ende zahlen die Patientinnen und Patienten den Preis.
Wenn Kliniken wie die Schlosspark-Klinik und das Jüdische Krankenhaus in existenzielle Verfahren geraten, ist das kein isoliertes betriebswirtschaftliches Problem. Es ist ein Warnsignal für das gesamte Netz. Denn Notfallstrukturen, Belegungen und Übergänge in die Nachsorge hängen unmittelbar zusammen. Bricht ein Teil weg, gerät das Ganze ins Rutschen.
Schleichend kippendes System
Parallel finden viele Menschen am Stadtrand schlicht keinen zeitnahen Zugang zur ambulanten Medizin: besonders in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick, zunehmend auch in Teilen von Spandau und Neukölln. Wer keinen Termin bekommt, landet irgendwann in der Rettungsstelle. Wer dort liegt, blockiert Betten, wenn Anschlussversorgung fehlt. So kippt ein System – schleichend.
Berlin braucht deshalb endlich eine abgestimmte Gesundheitsplanung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Das darf nicht länger dem Nebeneinander von Routinen und Einzelentscheidungen der Institutionen überlassen bleiben. Zumal das Werkzeug längst vorhanden ist: Im Sozialgesetzbuch V sind die zentralen Stellschrauben angelegt, um Versorgung sektorenübergreifend zu steuern – von gemeinsamer Abstimmung auf Landesebene über Bedarfsplanung und Sicherstellung in der ambulanten Versorgung über integrierte Versorgungsformen bis hin zu klar geregelten ambulanten Leistungen im Krankenhaus.
Wer diese Möglichkeiten nicht aktiv nutzt, verwaltet Mangel statt ihn zu beheben.
Kein Thema zweiter Ordnung
Vor allem aber braucht es politischen Willen. Gesundheitsversorgung darf kein Randthema sein. Sie muss zur Chefsache im gesamten Senat werden. Stadtentwicklung, Finanzen, Inneres mit dem Rettungsdienst, Soziales und Wissenschaft – sie alle sind Mitspieler. Wer Gesundheit als Thema zweiter Ordnung behandelt, wird sie als Krise erster Ordnung zurückbekommen.
Berlin kann das besser. Jetzt ist der Moment, es zu beweisen.
Text: Mario Czaja (CDU)
